Hochschule Düsseldorf
University of Applied Sciences
Fachbereich Sozial- & Kulturwissenschaften
Faculty of Social Sciences and Cultural Studies

​​​​​​Weiterentwicklung in der Offenen Kinder- und Jugendarbeit in Öhringen 


Hintergrund
 
Ausgangspunkt für das Projekt in der Stadt Öhringen, einer großen Kreisstadt im Landkreis Hohenlohe, in der Nähe von Heilbronn, Baden-Württemberg, war die dortige Landesgartenschau im Jahre 2016. Der in diesem Zusammenhang errichtete Landkreispavillon sollte – so der Beschluss des Stadtrats – nach dem Ende der Landesgartenschau für die kommunale Jugendarbeit genutzt werden. Er liegt in einer zentralen Lage zwischen den drei weiterführenden Schulen in Öhringen und in einem sehr attraktiven Umfeld zwischen Skatepark, Ornstrand, Kletterturm und das Gebäude ist so interessant und flexibel, sodass sich mehrere kleine Räume abteilen oder in größere Einheiten verwandeln können.
 
Verbunden werden soll die neue Location für die Jugendarbeit auch mit einer neuen Konzeption, die weit über die klassische Offene Kinder- und Jugendarbeit hinausgehen soll. Dabei sollen verschiedene Bereiche verknüpft werden, die jetzt schon in Öhringen in einem Team zusammenarbeiten: Die Schulsozialarbeit an den weiterführenden Schulen, die mobile Jugendarbeit, die im Stadtgebiet auch über weitere Räume verfügt und die Schulen selbst, die dringend ein Schülercafé benötigen und für die der Jugendpavillon auch ein neues Medium der Kooperation darstellen soll.
 
Für die Begleitung holte sich die Stadt Öhringen eine Förderung als Modellprojekt des Landesjugendamtes und die Forschungsstelle für sozialraumorientierte Praxisforschung und –entwicklung an der Hochschule Düsseldorf bekam einen Auftrag zur wissenschaftlichen Begleitung. Dabei stehen die Teamentwicklung im Vordergrund ebenso wie eine starke Beteiligung der Jugendlichen, schon an der Planung des Jugendpavillons, dem Aufbau und Betrieb des Schülercafes usw.

 

Aufgaben der wissenschaftlichen Begleitung durch die Forschungsstelle FSPE

  • Begleitung der Steuerungsgruppe während des gesamten Projekts.
  • Vorbereitung und Durchführung einer größeren Jugendbefragung an den weiterführenden Schulen in Öhringen, Methodenschulung der Fachkräfte vor Ort, Begleitung der Feldphase, Auswertung der Daten und gemeinsame Interpretation in Bezug auf die Entwicklung der Gesamtkonzeption der Kinder- und Jugendarbeit in Öhringen, insbesondere des Jugendpavillons.
  • Begleitung und Evaluation einer ersten ca. einjährigen Erprobungsphase des Jugendpavillons nach der Eröffnung am 01.04.2017.
 

Befragung von Jugendlichen zu ihren Lebenswelten und zu ihrer Freizeitsituation im Jahr 2016

In einer mehrtägigen Vorbereitung wurde das Team der Öhringer Jugendarbeit in die Lage versetzt eine solche Untersuchung weitgehend selbständig durchzuführen, so dass in der Durchführungsphase lediglich eine wissenschaftliche Mitarbeiterin der Forschungsstelle FSPE vor Ort sein musste. In der Befragung wurden folgende Methoden eingesezt:
 

  • Fragebogen mit standardisierten Fragen zu den Themenfeldern Freizeitgestaltung, Wohnumfeld, Nutzung diverser Angebote und Treffpunkte im Stadtgebiet sowie Nutzung der Schulsozialarbeit.
  • Nadelmethode zur Sichtbarmachung und zum Nutzungsverhalten in Bezug auf einzelne Orte aus Sicht der Kinder und Jugendlichen. Dabei ging es um Lieblingsorte oder Negativorte, die mit verschiedenfarbigen Nadeln auf Karten markiert wurden, aber auch um die Frage ob die Jugendlichen schon vom Jugendpavillon gehört hatten und welche Erwartungen sie damit verbinden würden.
  • Zeitbudget: Mit dieser Methode lassen sich unterschiedliche Aussagen über das Freizeitverhalten und die Lebenswelten machen indem die Jugendlichen ihre Tätigkeiten in einer typischen Woche rekapitulieren und sichtbar machen.
 
Mit dem Fragebogen wurden insgesamt 285 Schülerinnen und Schüler befragt an den vier weiterführenden Schulen, Gymnasium, Realschule, Gemeinschaftsschule und Förderschule.
 
In dem auf unserer Seite zur Verfügung gestellten Zwischenbericht werden die Ergebnisse dieser drei Befragungsmethoden ausführlich dargestellt und in der Auswertung konzeptionelle Bausteine beschrieben, die für die Weiterentwicklung des Konzeptes in Öhringen auf der Grundlage der Ergebnisse der Jugendbefragung von Bedeutung sein können: Dabei  geht es um die Bausteine Essen, Ernährung; Chillräume/Rückzugsräume; Musik und Kultur; Bewegungssport, Körperlichkeit; der Jugendpavillon im öffentlichen Raum; sowie Selbstorganisation und Mitbestimmung; Schulsozialarbeit und Jugendpavillon sowie die Gestaltung eines Schüler-/Jugendcafés als gemeinsames Projekt der weiterführenden Schulen und der Schulsozialarbeit sowie der Jugendarbeit.
 


Geplante Evaluation der Startphase des Jugendpavillons
 
In der Evaluationsphase nach dem 01.04. wird es sicher mehrere Monate dauern, bis sich ein Normalbetrieb im Jugendpavillon eingestellt hat. Für eine Evaluation ist es wichtig, dass diese Zeit dokumentiert wird durch ein Berichtswesen, aber auch durch ein Tagebuch sowie Feedbackbögen zu einzelnen Sonderveranstaltungen. Mit einer Teamsupervision, beginnend am 11.05. sowie weiteren Sitzungen sollen vor allen Dingen die Entwicklungsprozesse im Team dargestellt werden.
 
Nach einem Jahr, also im Frühjahr 2018, ist vorgesehen, alle Anbieter im Haus zu befragen sowie die Fachkräfte aber auch die Kooperationspartner um den Stand der Entwicklung zu erfassen.
 
In einer zweiten Interviewserie werden Kooperationspartner wie Schulen etc. befragt nach ihren ersten Erfahrungen in der Kooperation mit dem Jugendpavillon. Unklar ist noch ob es eine weitere Jugendbefragung geben wird, die natürlich sehr sinnvoll wäre, ähnlich wie die erste an den drei weiterführenden Schulen, hier steht aber die Finanzierung noch nicht fest!
 
 Die Fragen für die Evaluation lauten u.a.:

  • Wie wird eine neue Einrichtung die von ihren Standards und der gesamten Location und Ausstattung her absolut auf dem neuesten Stand ist, von Jugendlichen angenommen?
  • ​Entwickeln sich hier ähnliche Verdrängungsprozesse wie sie aus der OKJA bekannt sind oder gelingt es, die Einrichtung für möglichst viele Jugendliche offen zu halten? Wie gestaltet sich das Zusammenspiel von Außengelände (Skateranlage) und Sportpark bzw. Kletterturm, besonders in den Sommermonaten?

 

Aspekte dieses Modellprojektes, die auch für die Kinder- und Jugendarbeit insgesamt sein könnten
  • Kooperation zwischen Jugendarbeit und Schule über zwei Partner hinaus, in dem sich drei Schulen möglicherweise über den Jugendpavillon zu einer neuartigen Kooperation finden, gemeinsame Veranstaltungen im Jugendpavillon durchgeführt werden und dieser zu einem zentralen Ort für die drei Schulen wird.
  • Dabei spielt das weitestgehend selbstorganisierte Jugendcafé bzw. Schülercafé natürlich eine große Rolle, das zum Teil wie eine Schülerfirma betrieben werden kann, in der es weitgehende Formen von Mitbestimmung geben soll, ähnlich wie z. B. im Schülercafé in Monheim am Rhein.
  • Organisationsentwicklung der Kinder- und Jugendarbeit: Bereiche die oft getrennt laufen werden im neuen Konzept integriert, d. h. Schulsozialarbeit, mobile Jugendarbeit, Offene Kinder- und Jugendarbeit, Arbeiten in einem integrierten Team, das jenseits der klassischen Einrichtungskonzepte funktionieren soll.
 
Die Entwicklung in Öhringen ist auch deshalb für die Landschaft der Kinder- und Jugendarbeit interessant, weil nur an wenigen Stellen neue Einrichtungen entstehen und wo dann auch noch die Chance genutzt wird, diese konzeptionell auf neue Füße zu stellen und wissenschaftlich zu begleiten!  


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​Projektteam 

​Prof. Dr. Ulrich Deinet (Leitung)​​

​​Laufzeit 

​2016-2018

​​Kooperationspartner*innen 

​Stadt Öhringen 

Downloads  

Zwischenbericht ​​Öhringen