Hochschule Düsseldorf
University of Applied Sciences
Fachbereich Sozial- & Kulturwissenschaften
Faculty of Social Sciences and Cultural Studies

​​​​​​Temporäre Bildungsorte am Beispiel von Kinderspielstädten


Ausgangslage war der Besuch der Kinderstadt "MiniMünchen" und der Beitrag: „Spielstädte als Aneignungsräume und temporäre Partizipationsorte in der Bildungslandschaft – Eine rekonstruktive Sozialreportage am Beispiel „Mini-München“ (hier​ nachzulesen). 


Ziel der Studie/Veröffentlichung ist es, die Bedeutung von Kinderstädten als temporäre Orte in einer Bildungslandschaft deutlich zu machen vor dem Hintergrund ihrer spezifischen Rahmenbedingungen und Möglichkeiten.
Es geht hier weniger um praktische Konzepte der Kinderstädte, sondern eher um eine strategische und auch theoretisch fundierte Einordnung von Kinderstädten als temporäre Räume, insbesondere in den aktuellen Bildungsdiskurs und die Frage, welche Rolle Kinderstädte dort einnehmen könnten.


Theoretische Hintergründe

In einem theoretischen Zugang geht es um die politisch pädagogischen Grundlagen der Kinderstädte sowie einen kurzen historischen Rückblick, um deutlich zu machen, in welcher Tradition diese stehen. Hierbei ist besonders der Begriff der Kinderrepubliken in seiner reformpädagogische Fundierung zu nennen. Konzepte der Selbstregulierung, so wie sie auch in der kollektiven Erziehung (Makarenko) entwickelt worden sind, werden kurz angesprochen bis hin zu den in den 80er Jahren sehr intensiv diskutierten Modellen aus Summerhill und die in Deutschland auch intensiv diskutierten Kinderrepubliken Benposta aus Spanien.
In Verbindung mit den in der Offenen Kinder- und Jugendarbeit, insbesondere von Sturzenhecker diskutierten Ansätzen einer politischen Bildung sowie von Partizipation und Beteiligung lassen sich hier deutliche Bezüge der Kinderstädte herstellen und diese als konzentrierte Räume politischer Bildung und Beteiligung zu verstehen.
In einem weiteren Durchgang wäre zu diskutieren, inwieweit die Begriffe einer modernen Bildungsforschung (nicht nur informelle, formelle und non-formale Bildung) in Bezug auf Alltagsbildung (Rauschenbach) oder kommunale Bildung (Coelen) einzubeziehen sind.
In einem letzten Durchgang könnte man die Organisation der Kinderstädte auch als Planspiele, als Simulationen verstehen, die geprägt durch kurzzeitpädagogische Aspekte eine besondere Wirkung erzielen können.


Empirischer Teil/Forschungsdesign


Evaluation der Kinderstadt "Düsseldörfchen"

 
Im Südpark gegenüber der UNI läuft zur Zeit drei Wochen lang die Kinderstadt "Düsseldörfchen" mit 350 Kindern, es gibt einen wöchentlich neu gewähltem Stadtrat, eine eigener Währung und viele kreative und handwerkliche Bereiche.
"Düsseldörfchen" - Stadt der Kinder ist ein bundesweit bekanntes Kulturprojekt von Akki (Akki heißt „Aktion & Kultur mit Kindern“ und ist ein als freier Träger der Jugendhilfe anerkannter gemeinnütziger Verein), die seit über 25 Jahren jährlich mit wachsenden Teilnehmerzahlen stattfindet. „Düsseldörfchen“ ist Teil einer Serie von Großprojekten, die immer in der ersten Sommerferienhälfte im Auftrag des Jugendamtes Düsseldorf durchgeführt werden.

Die Spielstadt Mini-München gilt als Vorbild für zahlreiche ähnliche Spielstädte in anderen Kommunen in Deutschland, z. B. dem "Düsseldörfchen“. Spielstädte sind temporäre Städte, die von Kindern regiert, belebt und gestaltet werden und die durch spezielle Arrangements von Sozialformen, Angeboten, Gebäuden und Institutionen charakterisiert sind.
Für die beteiligten Kinder ergeben sich hier sehr interessante Formen des Lernens im handwerklich-motorischen-, im kreativ-künstlerischen Bereich aber auch in der politischen Bildung und dem Verständnis des Funktionierens einer Demokratie. Kinderstädte können als temporäre Räume in der Bildungslandschaften verstanden werden. Diese Aspekte machen deutlich, wie wichtig eine Einschätzung der Wirkungen von Kinderstädten ist. Damit sind auch Transfer- und Evaluationsfragen gemeint, die sich auf die unterschiedlichen Bereiche der Spielstadt beziehen, etwa im Bereich der Partizipation und Beteiligung könnte man fragen: Werden Kinder, die Mini-München erlebt haben, mutiger, in der Schule mehr Demokratie einzufordern?
Auch wenn es zahlreiche biographische Hinweise auf mögliche Wirkungen der Spielstadt gibt, etwa durch Berichte ehemaliger Kinder oder ehemaliger Bürgermeister der Spielstadt, die in aktuellen Diskussionen davon sprechen, dass sie nachhaltig durch ihre Erfahrung in der Spielstadt geprägt wurden, so interessant und wichtig solche einzelnen biographischen Berichte sind (die man natürlich im Sinne einer rekonstruktiven Methodologie in einer Forschung auch systematischer untersuchen könnte), fehlen jedoch Hinweise auf Wirkungen in anderen Bereichen, etwa der Berufsorientierung etc.
Vier Studierende des Fachbereichs SK und MitarbeiterInnen der Forschungsstelle FSPE führen aktuell im Rahmen des Seminars „Methoden der Evaluation am Beispiel der Kinderstadt "Düsseldörfchen“ -  einem temporären Bildungsort“ unter Leitung von Prof. Ulrich Deinet und Lisa Scholten (wissenschaftliche Mitarbeiterin) eine kleine Evaluation durch, sprechen mit "ehemaligen" Kindern, Mitarbeitern, den Kindern, Eltern in Form von Interviews usw. weil wir glauben, dass die Kinder hier sehr viel lernen, Erfahrungen machen usw.
Ziel des Seminars ist es, die Bedeutung von Kinderstädten als temporäre Orte in einer Bildungslandschaft zu evaluieren vor dem Hintergrund ihrer spezifischen Rahmenbedingungen und Möglichkeiten. Der empirische Teil des Seminars soll insbesondere den Blick der Kinder auf die Kinderstadt untersuchen z.B. mit folgenden Methoden:


·         Landkarte der Kinderstadt, in der bestimmte Orte markiert und bezeichnet werden,
·         Kinderfragebogen,
·         Gruppeninterviews mit „ehemaligen“ Kindern
·         Interviews mit Fachkräften und Eltern

Die Ergebnisse dieser explorativen Vorstudie sollen auch für ein größeres Forschungsprojekt genutzt werden, dass im Laufe des Jahres beantragt werden soll. Die Studierenden erhalten somit zugleich Einblicke in Methoden der empirischen Sozialforschung und Evaluation sowie einem wirklich interessanten Praxisprojekt vor Ort. Leider haben sich nur vier Studierende an dem Seminar beteiligt, was für uns auch ein Zeichen dafür ist, wie schwer es ist, eine Projektorientierung und Praxisforschung in ein doch inzwischen sehr verschulten Studiengang einzubauen. 


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Das Projektleitungsteam von dem "Düsseldörfchen" und das Forschungsteam der Hochschule Düsseldorf: Christoph Honig (Akki e.V.), Ulrich Deinet, Lisa Scholten und Sonja Hirschberg (Akki e.V.) (v. l. n. r.)


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Kinder beim Ausfüllen der subjektiven Landkarte. 

Teaserbild

Die subjektiven Landkarten für die Befragung im "Düsseldörfchen". 



Kein Projekt ist wie das andere. Jedes "Düsseldörfchen" steht unter einem anderen Schwerpunktthema:​​


„​Düsseldörfchen – Eine Hafenstadt“

Der Südpark verwandelt sich in den Sommerferien zu einer ganz besonderen, vielseitigen Stadt, in der die Kinder drei Wochen lang das Sagen haben. In diesem Jahr rückt Düsseldörfchen ganz nah ans Wasser. Im Zentrum der Stadt entsteht diesmal das Hafenviertel mit einem großen, bewohnbaren Spielschiff als Wahrzeichen. An der Hafenkante wird der Leuchtturm auf die Mole gebaut, direkt nebenan trifft man sich zum Fischmarkt oder Rummel. Die Fähre bringt seetüchtige Entdecker zur Abenteuerinsel.
Die Kinderstadt hat alles, was zu einem funktionierenden Gemeinwesen dazugehört. In über 20 Werkstätten wartet wieder jede Menge Arbeit auf die Bürger, um Düsseldörfchen 2017 zum Leben zu erwecken. Ein breites Angebot aus Handwerk und Technik, Kunst und Kultur, Medien und Musik stehen bereit. Ob Filmstudio, Radio, Zeitung, Mode, Schmuckatelier, Schreinerei, Autowerk oder Anstreicherei. Und natürlich wird im Rathaus auch wieder ein Bürgermeister gesucht, der die Kinderstadt auf Kurs bringt!
Es wird Geld verdient und Handel getrieben, Talente werden entdeckt, Neues gelernt und die Seele baumeln gelassen. Wer sein Feriendomizil nicht auf dem Schiff bauen will, lässt sich auf dem Südsee-Campingplatz nieder. In der Werft werden Ruderboote und Kanus vom Stapel gelassen. Nach getaner Arbeit gibt es unterhaltsame Bühnenereignisse und in der Kombüse wartet Stärkung auf alle Seeleute und Landratten.
Die Kinderstadt ist ein Eldorado für 350 Kinder, die hier eigene Ideen verwirklichen können und gleichzeitig Teil einer ganz eigenen Stadt sind. Und mit ein wenig Phantasie hört man auch im Südpark bald Möwenkreischen und Wellenrauschen….
 
 

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Teaserbild

​​​​Projektteam 

​Prof. Dr. Ulrich Deinet (Leitung)​

Lisa Scholten, B.A. 

​Laufzeit 

​2017

​​Kooperationspartner

​​Akki e.V. "Aktion und Kultur mit Kindern" in Düsseldorf 

​Downloads 

Bericht MiniMünchen