Hochschule Düsseldorf
University of Applied Sciences
Fachbereich Sozial- & Kulturwissenschaften
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Sozial- und Kulturwissenschaften / Kinderarbeit, Politikwissenschaft
11.06.2018

Internationaler Tag gegen Kinderarbeit

NRW könnte stärker gegen ausbeuterische Kinderarbeit vorgehen –
Gesetz gegen Kinderarbeit in Steinbrüchen seit Jahren auf Eis

Die nordrhein-westfälische Landesregierung könnte energischer gegen ausbeuterische Kinderarbeit vorgehen. Der Politikwissenschaftler Prof. Dr. Walter Eberlei (Hochschule Düsseldorf, HSD) kritisiert, dass eine gesetzliche Regelung in Nordrhein-Westfalen, die Kinderarbeit in Steinbrüchen verhindern soll, seit Jahren auf Eis gelegt ist. Eberlei: „Der Internationale Tag gegen Kinderarbeit sollte auch die Landesregierung daran erinnern, dass sie ihre Möglichkeiten zum Kampf gegen schlimme Kinderarbeit nicht genügend nutzt.“

Weltweit sind über 150 Millionen Kinder gezwungen zu arbeiten, um ihren Lebensunterhalt zu sichern, knapp die Hälfte davon unter schlimmsten Bedingungen. Am Internationalen Tag gegen Kinderarbeit (jährlich am 12. Juni) erinnert die Internationale Arbeitsorganisation (International Labour Organisation, ILO) an das Schicksal dieser Kinder – und daran, dass die internationale Gemeinschaft sich völkerrechtlich verpflichtet hat, ausbeuterische Kinderarbeit zu bekämpfen. Die entsprechende Konvention 182 der ILO wurde 1999 verabschiedet. Auch Deutschland hat den Vertrag ratifiziert.

Zu den schlimmsten Formen von Kinderarbeit gehört die Arbeit in Steinbrüchen. Deutschland importiert in großem Maße Natursteine aus Ländern, in denen ausbeuterische Kinderarbeit an der Tagesordnung ist. Ein spezieller Fall sind dabei Grabsteine: Ein Großteil der Grabsteine und Grabeinfassungen auf deutschen Friedhöfen wird aus diesen Natursteinen gefertigt. Kinderarbeit in der Natursteinindustrie ist ausbeuterisch, gesundheitsschädigend, lebensgefährlich; sie wird schon seit vielen Jahren von den Vereinten Nationen besonders geächtet.
Der Landtag Nordrhein-Westfalens hat im Juli 2014 das Bestattungsgesetz ergänzt und damit die Aufstellung von Grabsteinen, die mit ausbeuterischer Kinderarbeit produziert wurden, landesweit verboten. Natursteine aus Ländern, in denen Kinderarbeit in der Natursteinindustrie anzutreffen ist, müssten als kinderarbeitsfrei zertifiziert werden. Per Runderlass des federführenden NRW-Gesundheitsministeriums vom 18. März 2015 wurde die Zertifizierungspflicht jedoch ausgesetzt – die konkrete Umsetzung sei noch zu regeln. Auch vier Jahre nach Verabschiedung des Gesetzes hat die Landesregierung die Umsetzung jedoch noch immer nicht abgeschlossen – das gesetzliche Verbot bleibt auf Eis. Dabei hatte sich der zuständige Minister für Arbeit, Gesundheit und Soziales, Karl-Josef Laumann (CDU), schon 2010 – als Sozialminister der damaligen CDU/FDP-Regierung – persönlich für Maßnahmen zur Bekämpfung ausbeuterischer Kinderarbeit in Steinbrüchen ausgesprochen.

Im Auftrag der Landesregierung hat Professor Dr. Walter Eberlei von der Hochschule Düsseldorf (HSD) eine breit angelegte Studie koordiniert, in der die Länder identifiziert wurden, denen eine Zertifizierungspflicht auferlegt werden muss: So sind Indien, Vietnam und die Philippinen eindeutig als Lieferländer benannt worden, in denen schlimmste Formen von Kinderarbeit in der Natursteinindustrie nachgewiesen wurde. Die Ergebnisse liegen der Landesregierung seit Anfang 2017 vor, eine aufbereitete und ergänzte Fassung der Studien wurde kürzlich als Buch veröffentlicht.

Walter Eberlei (Hg.): Grabsteine aus Kinderhand. Kinderarbeit in Steinbrüchen des globalen Südens als politische Herausforderung. Frankfurt/M. 2018.
Webseite: www.grabsteine-aus-kinderhand.de​