Hochschule Düsseldorf
University of Applied Sciences
Fachbereich Sozial- & Kulturwissenschaften
Faculty of Social Sciences and Cultural Studies

Forschungsprojekt

​"Das Unwort erklärt die Untat" - Die "Döner-Mordserie" und der Umgang mit Gewalt an Migrantinnen und Migranten in den Medien


​​​​Hintergrund

"Das Unwort erklärt die Untat" - Die "Döner-Mordserie" und der Umgang mit Gewalt an Migrantinnen und Migranten in den Medien - so lautet der Titel eines neuen Forschungsprojekts, das Prof. Dr. Fabian Virchow vom Forschungsschwerpunkt Rechtsextremismus/ Neonazismus (FORENA) der HS Düsseldorf gemeinsam mit Prof. Dr. Tanja Thomas (Uni Bremen) und Prof. Dr. Elke Grittmann (Uni Lüneburg) durchführt. Ziel der Studie ist es, die Rolle der Medien im Diskurs über die "Döner-Morde" im Zeitraum der Taten von 2000 bis 2007 zu untersuchen. Es wird gefragt, ob die Medien ihrem Auftrag der vorurteilsfreien Recherche und kritischen Überprüfung gerecht geworden sind und inwiefern es eine Reflexion und Medien(selbst)kritik nach Bekanntwerden der NSU-Täterschaft hinsichtlich des eigenen Handelns gegeben hat.


Fragestellung​

Das Forschungsinteresse gilt der Frage, welche Deutungsmuster im Umgang mit den Morden, insbesondere an den Migranten, in der Berichterstattung aktiviert wurden, und richtet sich auf drei zentrale Aspekte:

  1. Wie wurde in den Medien über die Gewalt gegen Migrantinnen und Migranten berichtet und kommentiert? Welche - möglicherweise auch sehr unterschiedlichen, durchaus auch kritische Fragen aufwerfenden - Deutungsmuster wurden dabei aktiviert? Wurden in der zeitgenössischen Berichterstattung über die Morde des NSU Deutungsmuster aufgegriffen und wiederholt, die auch in der übrigen Berichterstattung über die Morde des NSU Deutungmuster aufgegriffen und wiederholt, die auch in der übrigen Berichterstattung über Gewalt gegen Migranten und Migrantinnen anzutreffen ist?
  2. Wie haben journalistische Akteure recherchiert und wie sind sie mit Informationsquellen und Deutungsangeboten staatlicher Kontrollinstanzen umgegangen? Welche Quellen wurden darüber hinaus berücksichtigt, welchen Quellen wurde Glaubwürdigkeit zugeschrieben?
  3. Wie lassen sich die Befunde erklären? Wie bewerten die Journalistinnen und Journalisten aus heutiger Sicht diesen Umgang, die Ursachen und ihren Handlungsspielraum?


Untersuchungsmethoden

Der Kern der Untersuchung besteht aus Inhalts- und Diskursanalysen der deutschsprachigen regionalen und überregionalen Presseberichterstattung über die Morde, die dem NSU angelastet werden. Mit quantitativen und qualitativen Diskursanalysemethoden werden die ausgewählten Printmedien hinsichtlich der Fragestellung analysiert. So werden der Grad der öffentlichen Aufmerksamkeit, die spezifischen Themen und der Umgang mit Quellen als auch die vorherrschenden Deutungsmuster herausgearbeitet. Zudem werden in gleicher Weise drei in Deutschland erscheinende türkischsprachige Tageszeitungen in die Untersuchung einbezogen.Ein weiterer Schritt besteht in der Auseinandersetzung mit der Medien(selbst)kritik. Dazu erfolgt eine Untersuchung der Berichterstattung der Medien nach dem Bekanntwerden der NSU-Täterschaft über die Berichterstattung der Medien vor dem Bekanntwerden der NSU-Täterschaft.In diesem Zusammenhang werden auch Interviews mit Journalisten und Journalistinnen bezüglich innerredaktioneller Debatten und Entscheidungsprozesse über die Berichterstattung a) zu den Tatzeiten und b) nach Bekanntwerden der NSU-Täterschaft geführt.


​​​​​Teaserbild

Projektteam

Prof. Dr. Fabian Virchow (HSD)

Prof. Dr. Tanja Thomas (Uni Bremen)

Prof. Dr. Elke Grittmann (Leitung, Uni Lüneburg)

Laufzeit

2013 - 2014

Kooperationspartner

Universität Bremen

Universität Lüneburg

Förderer

Otto Br​enner Stiftung

Publikationen

Abschlussbericht