Hochschule Düsseldorf

Hochschule Düsseldorf
University of Applied Sciences
Fachbereich Sozial- & Kulturwissenschaften
Faculty of Social Sciences and Cultural Studies

​​​​​​​​​​Ursprünglich als Unterstützungsinstanz für Reisende konzipiert, agiert die Bahnhofsmission heute in einem Handlungsfeld, das sich erheblich ausdifferenziert und verdichtet hat. Der Bahnhof ist längst kein reiner Transitort mehr, sondern ein ambivalenter Sozialraum, in dem unterschiedliche Nutzungslogiken, ökonomische Interessen, Mobilitätsanforderungen, sicherheitspolitische Aspekte sowie existenzielle Notlagen marginalisierter Gruppen unmittelbar aufeinandertreffen. Armut, Wohnungslosigkeit, psychische Belastungen, Einsamkeit sowie Substanzkonsum prägen vielerorts des Alltag im Sozialraum Bahnhof und strukturieren die Handlungspraxis der Bahnhofsmission. Vor diesem Hintergrund stellt sich die Frage, welche Funktion die Bahnhofsmission unter veränderten gesellschaftlichen Bedingungen übernimmt und welche strukturellen Anforderungen sich daraus ergeben.

Unter der Leitung von Prof. Dr. Anne van Rießen wurde im Rahmen der Standortanalyse Bahnhofsmission NRW (kurz: STAY_BM) die aktuellen Veränderungen, Herausforderungen und Entwicklungsperspektiven der Bahnhofsmissionen in NRW systematisch untersucht. Grundlage der Erhebung bildeten qualitative Expert:inneninterviews mit haupt- und ehrenamtlichen Mitarbeitenden, die inhaltsanalytisch ausgewertet wurden.

Die vorliegende Standortanalyse zeigt: Die Bahnhofsmission übernimmt eine stabilisierende Funktion im Sozialraum Bahnhof, die weit über das formale Aufgabenprofil hinausgeht. Durch ihre konsequente Niedrigschwelligkeit erreicht sie unterschiedliche Zielgruppen – von Reisenden mit Unterstützungsbedarf bis hin zu Menschen in marginalisierten Lebenslagen – und übernimmt zugleich eine wichtige Vermittlungs- und Schnittstellenfunktion im lokalen Hilfesystem.

Gleichzeitig sind die Anforderungen durch komplexere Problemlagen und veränderte Rahmenbedingungen deutlich gestiegen. Die Arbeit basiert jedoch weiterhin stark auf ehrenamtlichem Engagement, während der Bedarf an fachlicher Koordination und verlässlicher Finanzierung zunimmt. Im Fokus steht daher nicht eine Ausweitung des Angebots, sondern dessen strukturelle Absicherung unter veränderten gesellschaftlichen Bedingungen. Notwendig sind eine verlässliche finanzielle Grundsicherung statt rein projektbezogener Förderung, angemessene hauptamtliche Stellen zur Koordination und Qualitätssicherung, eine gezielte Stärkung und Begleitung des Ehrenamts sowie eine engere und verbindlichere Vernetzung mit kommunalen Diensten und der Deutschen Bahn.

Abschlussbericht veröffentlicht

Der Abschlussbericht erscheint in der Schriftenreihe der FNUST unter dem Titel: "Standortanalyse Bahnhofsmissionen NRW: Eine qualitative Analyse" und steht hier zum kostenlosen Download zur Verfügung:

Kachel Abschlussbericht Download​
 
Projektbeteiligte & Förderung

Das Projekt wurde von der Forschungsstelle Nutzen Sozialraum Teilhabe (FNUST) der Hochschule Düsseldorf durchgeführt und durch die Diakonie Rheinland-Westfalen-Lippe (RWL) finanziert.

Studienzeitraum:     12/2025 bis 02/2026

Veröffentlichung des Berichts: 03/2026

Team: Anne van Rießen, Julia Thissen, Reinhold Knopp, Gefion Welters

Kontakt:
Für weitere Informationen zu dem Forschungsvorhaben kontaktieren Sie bitte:

Prof. Dr. Anne van Rießen:
anne.van_riessen@hs-duesseldorf.de​

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