Hochschule Düsseldorf
University of Applied Sciences
Fachbereich Sozial- & Kulturwissenschaften
Faculty of Social Sciences and Cultural Studies

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Sozial- und Kulturwissenschaften / DGSA, Inklusion, Tagung, Bericht
04.05.2016

Bericht der DGSA-Tagung 2016 am Campus der Hochschule Düsseldorf

​​​​​​​​​​​Erfolgreiche Tagung der Deutschen Gesellschaft für Soziale Arbeit zu Perspektiven und Positionen der Sozialen Arbeit auf Inklusion  

 
Über 450 Teilnehmende aus Wissenschaft, Praxis und Politik diskutierten am 29. und 30. April 2016 auf der diesjährigen Tagung der Deutschen Gesellschaft für Soziale Arbeit (DGSA) in 40 Panels die Perspektiven der Sozialen Arbeit auf Inklusion. 230 Vortragende präsentierten dabei ihre Positionen in Form von Workshops, Vorträgen und Posterpräsentationen. Die bislang größte Tagung der DGSA fand in drei Gebäuden am neuen Campus der Hochschule Düsseldorf statt und wurde am Fachbereich Sozial- und Kulturwissenschaften von Prof. Dr. Christian Bleck und Dr. Katja Neuhoff organisiert sowie durch Mitwirkende verschiedener Hochschulbereiche und studentische Mitarbeiter_innen des Fachbereichs unterstützt.
 
Eröffnet wurde die Veranstaltung im Audimax mit Grußworten von Christina Kampmann, Ministerin für Familie, Kinder, Jugend, Kultur und Sport des Landes Nordrhein-Westfalen, und Burkhard Hintzsche, Sozialdezernat und Stadtdirektor der Landeshauptstadt Düsseldorf, welche die politische Dimension der Inklusion in den Vordergrund stellten. Beide unterstrichen dabei die Notwendigkeit einer Zusammenarbeit von Disziplin und Profession der Sozialen Arbeit mit der Politik, um den Normen und ökonomischen Werten, die zu verletzbaren Positionierungen führen, etwas entgegensetzen zu können. Auf besondere Initiativen und Projekte der Inklusionsförderung auf Hochschul- und Fachbereichsebene wiesen Brigitte Grass, Präsidentin der Hochschule Düsseldorf, und Elke Kruse, Dekanin am Fachbereich Sozial- und Kulturwissenschaften in ihren Grußworten ebenso hin wie auf die Herausforderung, eine Tagung dieser Größe kurz nach dem Umzug auf den neuen Campus durchzuführen. In seiner Keynote betonte Micha Brumlik, em. Professor an der Goethe Universität Frankfurt a.M., dass Integration – und zwar ihr dichter Begriff, der eine gemeinsame Erfahrungsgeschichte unter zufällig herrschenden Werten bedeutet – das ist, was die Gesellschaft zusammenhält. Michaela Köttig, Vorsitzende der Deutschen Gesellschaft für Soziale Arbeit und Professorin an der Frankfurt University of Applied Sciences, diskutierte das Problem der Anerkennung unterschiedlicher Erfahrungen unter Berücksichtigung der Historizität der Differenzlinien. Darüber hinaus wurde den Tagungsteilnehmenden erstmals ein Film über das 25-jährige Bestehen der DGSA präsentiert, der in Kürze auch auf You Tube zugänglich sein wird.
 
In den nach der Eröffnungsveranstaltung am Freitag sowie am Samstag durchgeführten Panels wurden – auch unter Beteiligung etlicher Lehrender und wissenschaftlicher Mitarbeiter_innen – vielfältige theoretisch und empirisch fundierte Blickwinkel auf Inklusion in der Sozialen Arbeit präsentiert und beleuchtet: So wurden u.a. ethische Fragen der Menschenrechte, Bezüge zu sozialräumlicher Praxis und Forschung, Aspekte von Rechtsbildung und Rechtsreform, Voraussetzungen inklusiver Berufsausbildung, Orientierungsmerkmale in der Kindertagesbetreuung, transnationale Perspektiven, systemtheoretische Analysen oder machkritische Anfragen z.B. aus den Disability-Studies diskutiert.
 
Ein Highlight war auch die Abendveranstaltung am Ende des ersten Tages, die im Foyer des Gebäude 4 stattfand: Tagungsteilnehmende tauschten sich beim Abendbüffet nicht nur rege aus, sondern tanzten und feierten auch bis kurz nach Mitternacht ausgiebig.
 
„Wie inklusiv hätten Sie’s gerne?“ so lautete dann die Frage der Abschlussveranstaltung. Was braucht die Soziale Arbeit, um sich weiterhin für gleichberechtigte Teilhabe und soziale Gerechtigkeit in dieser Gesellschaft einzusetzen. Für María do Mar Castro Varela, Professorin an der Alice Salomon Hochschule Berlin, tragen die selbstkritischen Instrumente zur Weiterentwicklung der Disziplin und der Profession der Sozialen Arbeit und zur Transformation der Gesellschaft bei. Soziale Arbeit, fährt sie in Anlehnung an Michel Foucault fort, brauche theoretische Strategien um zu erforschen, ab wann für wen etwas wodurch zum Problem geworden ist. Dem schließt sich auch Ruth Enggruber an, Professorin an der Hochschule Düsseldorf, indem sie fragt, inwiefern Soziale Arbeit mit der Inklusion Etikettierungen und Stigmatisierungen unterstützt und selbst Ausgrenzungen produziert. Clemens Dannenbeck, Professor an der Hochschule Landshut, betont, dass Inklusion eher ein
Prozess und kein Zustand ist. Die damit verbundenen gesellschaftlichen Aufgaben sind nie abschließbar und erfordern die Solidarität der Beteiligten. Christine Lüders, Leiterin der Antidiskriminierungsstelle des Bundes, bestätigt die wichtige Rolle kritischer Wissenschaft und Forschung in diesem Feld und fordert Institutionen und Bürger_innen auf, ihre Einflussfelder zur Förderung von Teilhabe und Gerechtigkeit zu erkennen und aktiv zu gestalten. Was braucht die Soziale Arbeit bei diesem Prozess? Vielleicht kann diese Frage mit den Worten von Ruth Enggruber beantwortet werden, die sich wünscht, dass die Studierenden der Sozialen Arbeit so ausgebildet werden, dass sie ihre kritischen Perspektiven auch im Kontext restriktiver Institutionen beibehalten.
 
Alles in allem war die Tagung also inhaltlich und organisatorisch ein voller Erfolg, auf den die Hochschule Düsseldorf und der Fachbereich Sozial- und Kulturwissenschaften mit Stolz zurückblicken können. Weitere Informationen zur Tagung finden Sie auf den Seiten der DGSA unter www.dgsainfo.de
 
Katja Neuhoff und Christian Bleck
 
 
 

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