Hochschule Düsseldorf
University of Applied Sciences
Fachbereich Sozial- & Kulturwissenschaften
Faculty of Social Sciences and Cultural Studies

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Sozial- und Kulturwissenschaften / Flucht, Asyl, Vortrag, Veranstaltungshinweis
16.11.2015

Update: Vortragsreihe Flucht und Asyl

​Die Themen Flucht und Asyl stehen derzeit besonders im Mittelpunkt medialer Berichterstattung und politischer Auseinandersetzungen - Grund genug für den Fachbereich Sozial- und Kulturwissenschaften, sich kritisch damit auseinanderzusetzen. Im Wintersemester 2015/2016 organisiert der Fachbereich daher eine Ringvorlesung, die sich mit unterschiedlichen Aspekten des Themas beschäftigt.

Anlässe zur Diskussion gibt es zahlreiche:

  • eine EU-Asylpolitik, die nicht auf den Schutz von Flüchtlingen, sondern vor Flüchtlinge setzt

  • Verletzungen der Europäischen Menschenrechtskonvention und die Genfer Flüchtlingskonvention bei der Abwehr von Flüchtlingen („push backs“)

  • das offensichtliche Scheitern des Dublin-Systems: Überforderung der EU-Staaten an den südlichen Außengrenzen, mangelnde Solidarität innerhalb der EU

  • Unwürdiger Streit um ein Verteilungssystem nach Quoten, während die Zahl der Toten an den Außengrenzen täglich zunimmt;

  • Pläne, militärisch gegen Schlepper vorzugehen und deren Boote zu zerstören

  • „unmenschliche und erniedrigende“ Lebensbedingungen für Flüchtlinge in EU-Staaten (Europäischer Gerichtshof für Menschenrechte)

  • Medienberichte, die Flüchtlinge pauschal als Wirtschaftsflüchtlinge abqualifizieren, statt die Fluchtursachen differenziert darzustellen;

  • Populisten, die in öffentlichen Debatten davon sprechen, dass die Grenzen der Belastbarkeit für Deutschland erreicht seien;

Damit sind nur einige Themen angesprochen, die für Zündstoff sorgen.Hierzu sind alle Interessierten herzlich eingeladen.

Die ersten beiden Veranstaltungen waren mit 40 bis 100 Personen bereits sehr gut besucht. Die Vortragstexte oder Präsentationen dieser Veranstaltungen und der folgenden Veranstaltungen veröffentlichen wir (nach den Veranstaltungen) rechts unten auf dieser Seite, soweit die Vortragenden sie uns zur Verfügung stellen.


Die nächsten Vorträge:


Prof. Dr. Hans Schiller - 15.12.2015 - 17 Uhr

ETHISCHE GRUNDLAGEN FÜR DIE FLÜCHTLINGSPOLITIK. ARGUMENTE DER PHILOSOPHIE


Das gesamte Programm mit allen weiteren Informationen finden Sie als PDF zum Donwload auch unter diesem Link


Ausschlussklausel: Die Veranstaltenden behalten sich vor, von ihrem HausrechtGebrauch zu machen und Personen, die rechtsextremen Parteienoder Organisationen angehören, der rechtsextremen Szenezuzuordnen sind oder bereits in der Vergangenheit durchrassistische, nationalistische, antisemitische oder sonstigemenschenverachtende Äußerungen in Erscheinung getretensind, den Zutritt zur Veranstaltung zu verwehren oder von dieserauszuschließen.



dokumentation

Prof. Dr. Wolf-Dieter Just - 20.10.2015 - 17 Uhr

AUSVERKAUF EUROPÄISCHER WERTE?
DIE FLÜCHTLINGSPOLITIK DER EUROPÄISCHEN UNION

Dies war die Auftaktveranstaltung einer Reihe von Vorträgen, die sich im Wintersemester 2015/2016 mit dem Thema „Flucht und Asyl“ beschäftigen werden.

In einleitenden Worten haben die Organisatoren der Ringvorlesung zunächst herausgestellt, dass die aktuelle Diskussion in Politik und Medien und die mit Sorge zu beobachtende öffentliche Manifestation von Rassismus und Fremdenfeindlichkeit, die aktuell bei den Pegida Demonstrationen in Dresden zum Ausdruck kämen, geradezu dazu herausforderten, sich seitens der Hochschule mit dem Thema zu beschäftigen und zu positionieren.

Wissenschaft und Hochschule könnten sich nicht mit dem Argument, Neutralität bewahren zu müssen, einfach aus dem öffentlichen Diskurs heraushalten. Es ginge vielmehr darum, aus unterschiedlicher fachwissenschaftlicher Sicht Sachverhalte aufzuklären und zur Versachlichung der Debatte beizutragen.

Wolf-Dieter Just hat als Prof. für Ethik und Sozialphilosophie an der Ev. Fachhochschule Rheinland Westfalen das Thema langjährig in Forschung und Lehre vertreten. Er gehört zu den Gründern der Ökumenischen Bundesarbeitsgemeinschaft Asyl in der Kirche und war von 1994 bis 2004 Vorsitzender des Vorstands dieses Vereins und ist nun Ehrenvorsitzender der Ökumenischen Bundesarbeitsgemeinschaft Asyl in der Kirche.

Die Veranstaltung war sehr gut besucht. Ca. 100 Personen waren gekommen, um sich den Vortrag von Prof. Dr. Wolf-Dieter Just anzuhören. Darunter waren auch Gäste der Universität von Fès (Marokko), die sich im Rahmen einer Hochschulpartnerschaft am Fachbereich Sozial- und Kulturwissenschaft der Hochschule Düsseldorf aufhielten und engagiert in die Diskussion einbrachten. Insbesondere der Widerspruch zwischen der allgemeinen Menschenrechtsrhetorik der Politiker_innen in der EU und der faktisch umgesetzten Politik kam in der Diskussion zur Sprache.

Vortrag (PDF)


Prof. Dr. Daniela Öndül - 3.11.2015 - 17 Uhr

ASYLPOLITIK UND ASYLRECHT 2015.
GRUNDZÜGE, ENTWICKLUNGEN, PERSPEKTIVEN

Ausgangspunkt des Vortrags war die Zahl der Asylsuchenden in Deutschland, die im Zuge internationaler Krisen und Kriege angestiegen ist. Parallel zu dieser Entwicklung wurden Verschärfungen im deutschen Asylrecht beschlossen, u.a. die Bewertung von Bosnien Herzegowina, Mazedonien und Serbien als sogenannte „sichere Herkunftsstaaten“. Darüber hinaus wurden die Möglichkeiten erweitert, abgelehnte Asylsuchende in Abschiebehaft zu nehmen. Auf europäischer Ebene wird um die Reform des Dublin-Verfahrens und die Verteilung der Flüchtlinge auf die Staatengemeinschaft gestritten. Der Vortrag thematisierte sowohl die Dublinverordnungen als auch die Veränderungen im aktuellen deutschen Asylrecht. Im Mittelpunkt der anschließenden Diskussion standen u.a. Fragen nach der geplanten Einschränkung des Familiennachzugs, der Einrichtung von Transitzonen und der politischen Bewertung der Verschärfungen im deutschen Asylrecht.

Vortrag (PDF)


Prof. Dr. Fabian Virchow - 17.11. - FÄLLT LEIDER AUS !

RASSISTISCHE GEWALT IN DEUTSCHLAND


Kirsten Ben Haddou - 1.12.2015 - 17 Uhr

DIE SILENT UNIVERSITY: TEILHABE VON GEFLÜCHTETEN AN GESELLSCHAFT UND WISSENSCHAFT

Kirsten Ben Haddou, Koordinatorin der Silent University Ruhr hat in ihrem Vortrag zunächst die wichtigsten Charakteristika und Ziele der Silent University skizziert. Die Silent University, ursprünglich initiiert vom kurdischen Künstler Ahmet Öğüt, ist eine autonome Plattform zum Wissensaustausch für Akademiker, die ihre Kenntnisse und Fähigkeiten aufgrund ihres Aufenthaltsstatus oder wegen Nicht-Anerkennung von Abschlüssen nicht als Lehrende weitergeben können. Zum Schweigen gebrachtes Wissen wird wieder hörbar. Die Silent University gibt so den Geflüchteten einen Raum, um ihr Wissen weiterzugeben. Gemeinsam entwickeln die Teilnehmenden Kursinhalte, die ihren beruflichen Qualifikationen und ihren Reflexionen als Geflüchtete oder Asylsuchende entsprechen und die sie aus der Rolle der stimmlos Wartenden herausholen.

Gegründet vom Impulse Theater Festival, dem Ringlokschuppen Ruhr und Urbane Künste Ruhr hat die Silent University Ruhr ihren Raum gut sichtbar in der Mülheimer Innenstadt bezogen und erfindet sich als alternative Ruhr- Universität für alle, die keinen oder nur minimalen Zugang zu Wissenstransfer und Bildung haben. Eine wichtige Aufgabe des Vereins ist die Vernetzung mit Partnern in der Kommune und im weiteren Umfeld. Dafür wurden zahlreiche Verbindungen mit Initiativen und Vereinen im Ruhrgebiet, aber auch mit den zuständigen Stellen der Stadt Mülheim geknüpft. Die Silent University Ruhr ist ein langfristiges Projekt, das Schritt für Schritt Kontakte zu Geflüchteten aufbaut und mit anderen Akteuren vernetzt. Oft werden Vorlesungen und Seminare in der Muttersprache der Lehrenden gehalten, so dass auch anderssprachige Gruppen in der Bevölkerung erreicht werden können, die bisher eher von akademischen Vorträgen ausgeschlossen waren. Die Vorträge werden zudem übersetzt und auf der gemeinsamen Webseite mit den anderen Silent Universities in London, Stockholm und Hamburg zugänglich gemacht.

Im zweiten Teil der Veranstaltung hat Abdulrazaq Alzuhayri, Dozent der Silent University Ruhr, von seiner Referententätigkeit berichtet und zugleich auf die Hindernisse hingewiesen, die geflüchteten Akademikern den Zugang zu entsprechend qualifizierten Berufen oder zur Hochschule erschweren (im Hinblick auf den Erwerb von Deutschkenntnissen, Anerkennung von Studien-Abschlüssen, Wartezeiten etc.).

In der anschließenden Diskussion unter den ca. 30 Teilnehmenden wurden verschiedene Themen angesprochen: u.a. wie viele Dozenten und Dozentinnen bereits im Rahmen der Silent University Ruhr arbeiten, an wen sich die Vorträge richten, welches Publikum erreicht wird, inwiefern Kooperationen mit anderen Universitäten bestehen, wie solide die Finanzierung ist und wie eine nachhaltige Verankerung in Zukunft gewährleistet werden kann.

Vortrag (PDF)


Prof. Dr. Cinur Ghaderi - 12.1.2016 - 17 Uhr

PSYCHOSOZIALE ARBEIT MIT FLÜCHTLINGEN

​Der letzte Vortrag in der Vortragsreihe zu „Flucht & Asyl als Herausforderung für Politik, Gesellschaft und Soziale Arbeit“ wurde von Prof. Dr. Cinur Ghaderi aus der Ev. Fachhochschule Rheinland – Westfalen – Lippe gehalten. Dort ist sie seit 2013 als Professorin für Psychologie tätig ist. Zuvor arbeitete sie 12 Jahre als Psych. Psychotherapeutin im „Psychosoziales Zentrum für Flüchtlinge“ in Düsseldorf. Ihre Ausführungen basierten deshalb nicht nur auf ihren theoretischen und empirischen Forschungsergebnissen, sondern speisten sich auch aus ihren fachpraktischen Erfahrungen im Psychosozialen Zentrum für Flüchtlinge in Düsseldorf. 

Ausgehend vom analytischen Fokus Sozialer Arbeit, der sich auf den Abbau sozialer Ungleichheit richte, beschäftigte sich Cinur Ghaderi zunächst mit den spezifischen Spannungsfeldern, die für sie im Kontext von Flucht und Asyl bestehen: (1) Rechtliche Rahmenbedingungen geben eine Struktur vor, die einhergeht mit gleichzeitigen Ungleichzeitigkeiten in der Praxis. (2) Die psychosoziale Arbeit mit Geflüchteten ist geprägt von dem Widerspruch, Menschen mit unsicherem Aufenthaltsstatus individuelle und gesellschaftliche Perspektiven zu eröffnen. (3) Das professionelle Handeln bewegt sich unter Bedingungen institutionalisierter Desintegration im Spannungsfeld zwischen Politisierung und Paternalismus und/oder Klientelisierung, zwischen professionsspezifischem Interesse und dem Erhalt des Subjektstatus. In diesem Kontext bezog sie sich auch auf theoretische Debatten, die in der Sozialen Arbeit zu Diversitäts- und Intersektionalitätsansätzen geführt werden. Darauf basierend stellte sie abschließend „Achtsamkeitslinien für Forschung und Praxis“ mit Geflüchteten vor. Insgesamt wurden von Cinur Ghaderi die Rahmenbedingungen psychosozialer Arbeit mit Geflüchteten in Theorie und Praxis benannt und in ihrer Konsequenz für die professionelle Positionierung kritisch reflektiert.

Vortrag_Ghaderi_HSD_20161201.pdf