Hochschule Düsseldorf
University of Applied Sciences
Fachbereich Sozial- & Kulturwissenschaften
Faculty of Social Sciences and Cultural Studies

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Sozial- und Kulturwissenschaften / Tag der Menschenrechte, Menschenrechte, Soziale Rechte, Armut, Bildungschancen
15.12.2016

Soziale Rechte in Deutschland verletzt

Soziale Menschenrechte sind auch in Deutschland noch lange nicht umgesetzt – im Gegenteil: viele soziale Rechte werden regelmäßig verletzt. Michael Windfuhr, Stellvertretender Direktor am Deutschen Institut für Menschenrechte in Berlin, verwies in einem Vortrag an der Hochschule Düsseldorf auf wachsende Armut, vor allem auch unter Kindern, ungleiche Bildungschancen, die Benachteiligung von Menschen mit Migrationshintergrund und andere Beispiele. Vor über 80 Studierenden referierte Windfuhr im Rahmen des „Tages der Menschenrechte“, der am Fachbereich Sozial- und Kulturwissenschaften von Dr. Katja Neuhoff und Prof. Dr. Walter Eberlei organisiert worden war.

Ausgangspunkt für den Vortrag war der 50. Jahrestag der Verabschiedung des sogenannten Sozialpakts, des Internationalen Paktes über die wirtschaftlichen, sozialen und kulturellen Rechte der Vereinten Nationen. Dieser völkerrechtliche Vertrag ist auch von Deutschland ratifiziert worden, insofern gelten die dort formulierten Sozialrechte uneingeschränkt auch für Deutschland.

Windfuhr verwies unter anderem auf Kinderarmut in Deutschland. Jedes siebte Kind lebt hierzulande von Sozialhilfe, viele Familien sind hoch verschuldet, die Verteilung des Vermögens wird immer ungleicher. Das belege auch der gerade veröffentlichte neue Armuts- und Reichtumsbericht der Bundesregierung. Millionen von Menschen würden ihre sozialen Rechte vorenthalten, kritisierte der Referent. Windfuhr erwartet, dass die Vereinten Nationen Deutschland erneut kritisch untersuchen werden. Aktuell ist gerade ein entsprechendes Staatenberichtsverfahren angelaufen.

Michael Windfuhr (55), Politikwissenschaftler, arbeitet seit 2011 am renommierten Menschenrechtsinstitut, das sich immer wieder mit Gutachten, Stellungnahmen und Studien in politische Debatten einschaltet. Windfuhr arbeitete zuvor für die Menschenrechtsorganisation FIAN sowie einige Jahre als Leiter des Menschenrechtsreferats der Evangelischen Kirche in Deutschland. Im April 2016 wurde er vom UN-Wirtschafts- und Sozialrat (ECOSOC) für vier Jahre (2017-2020) in den UN-Ausschuss für wirtschaftliche, soziale und kulturelle Rechte (Committee on Economic, Social and Cultural Rights, CESCR) gewählt.

Der Vortrag war Teil eines ganztägigen Veranstaltungsangebots im Fachbereich Sozial- und Kulturwissenschaften. Der jährlich begangene Internationale Tag der Menschenrechte wird seit dem vergangenen Jahr in besonderer Weise am Fachbereich gestaltet. In diesem Jahr integrierten eine Reihe von Lehrenden das Thema Menschenrechte in ihre Seminare und Vorlesungen an diesem Tag. Außerdem organisierten Studierende Infostände im Foyer von Gebäude 3, darunter auch die jüngst gegründete studentische Hochschulgruppe von amnesty international.

Dr. Katja Neuhoff, Fachbereichsreferentin und Lehrbeauftragte am Fachbereich SK, und Prof. Dr. Walter Eberlei organisierten den Tag. Die beiden bieten – neben anderen Lehrenden – regelmäßig Lehrveranstaltungen zu menschenrechtlichen Themen an. Der Fachbereich bekennt sich insgesamt in seinem Fachbereichsentwicklungsplan zur menschenrechtlichen Orientierung von Lehre und Forschung.

Bild von Michael Windfuhr mit weissem Hemd und Schwarzen Jacket an einem grünen Rednerpult
Michael Windfuhr ist Politikwissenschaftler und seit über 30 Jahren in der deutschen und internationalen Menschenrechtspolitik aktiv
Michael Windfuhr hält einen Vortrag in einem Hörsaal mit grünen Bänken und Tischen und einem Transparent: Die Würde des Menschen ist unantastbar.
Vor rund 80 Studierenden referierte der Stellvertretende Direktor des Deutschen Instituts für Menschenrechte über die soziale Lage in Deutschland