Hochschule Düsseldorf
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Fachbereich Sozial- & Kulturwissenschaften
Faculty of Social Sciences and Cultural Studies

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HSD - Sozial- & Kulturwissenschaften > Aktuelles > „Demokratie in Bewegung“ bringen
Sozial- und Kulturwissenschaften / KÄM, Performance, Exkursion
04/06/2019

„Demokratie in Bewegung“ bringen

Düsseldorfer Studierende verkörpern Demokratie in Weimar

14 Düsseldorfer Studierende sind Anfang Juni nach Weimar gereist und haben dort „Demokratie in Bewegung“ performt. Mit Menschenmauern und einem Goldenen Käfig brachten sie demokratische Werte ins Bewusstsein der Menschen - und stießen auf viel positive, aber auch kritische Resonanz.

Deutschland diskutiert nach der Europawahl über die Notwendigkeit einer Mobilisierung von Nicht-Wählern zur Schwächung (relativer) rechter Ränder. Eine Gruppe Düsseldorfer Studierender nahm sich der Herausforderung an und machte sich auf den Weg nach Weimar, dem Gründungsort der Demokratie in Deutschland mit der Weimarer Republik.

Ihr Ziel: Demokratie in Bewegung bringen. Mit Performances inmitten der Weimarer Innenstadt, die Menschen zum Nachdenken anregen sollen. Nachdenken über das, was Demokratie uns ermöglicht und warum es so wichtig ist, sich für sie zu „bewegen“. Die 14 Studierenden der Hochschule Düsseldorf (HSD) waren verabredet mit engagierten Weimarern, die u.a. der Initiative des zivilgesellschaftlichen Stammtisches, dem Bürgerbündnis gegen Rechts und verschiedenen Weimarer Institutionen angehören. Schon seit einigen Wochen standen sie im Austausch und planten die Aktionen, inhaltlich und organisatorisch. „Ohne die Partner vor Ort, wäre eine Umsetzung des Projektes in dieser Form nicht möglich gewesen“, lobt Prof. Dr. Harald Michels, leitender Dozent des Seminars am Fachbereich Sozial- und Kulturwissenschaften der HSD die Zusammenarbeit.

Samstag,11 Uhr: Die Studierenden versammeln sich auf dem Herderplatz, einige Weimarer, die über die sozialen Netzwerke von der Aktion erfahren haben, stoßen hinzu. Nach einer kurzen Instruktion bildet sich die erste von insgesamt fünf Menschenmauern an wechselnden Plätzen an diesem Vormittag. Ob stehend oder liegend, die Mauer wirkt auf die Passanten irritierend und wirft Fragen auf. Es wird fotografiert, getuschelt und diskutiert, manch einer steigt ignorant unter der Mauer hindurch oder über sie hinweg. Erhalten die Menschen eine kurze Erläuterung, wird ihnen schnell klar: So muss es sich anfühlen, wenn ich plötzlich nicht mehr meiner gewohnten Wege gehen darf - am Ende einer Demokratie. Und die Erfahrung der Studierenden? „Menschen in ihrer Freiheit einzugrenzen, ist kein beglückendes Gefühl. Vor allem, wenn dein Gegenüber dir direkt in die Augen schaut, wird dir klar, du tust etwas Unrechtes“, beschreibt eine Studentin die erlebte Situation.

Menschen auszuschließen ist auch Inhalt der zweiten Performance, dem Goldenen Käfig. 14.30h vor dem Eingang des Rathauses: Wo soeben noch reges Markttreiben herrschte, bauen die Studierenden aus Bauzäunen einen Bereich, in dem sie niemandem Zutritt gewähren. Hinter dem Zaun wird nach Völlerei-Manier geschlemmt. Wer nicht dazugehört, muss von draußen zuschauen, gleichwohl die Lebensmittel für weitaus mehr Menschen ausreichen würden. Irritierte Passanten-Blicke treffen die golden geschminkten Studierenden, die sich auch durch ihre auffällig dekadente Kleidung von der Masse vor den Gitterkäfig abheben. Wer dem Goldenen Käfig gefährlich näher kommt, wird prompt abgewiesen: „Kein Zutritt für Andersartige! Hunger? Dein Problem, hier ist nichts übrig für Dich.“ Viele Passanten beginnen mit den Performern im Käfig zu diskutieren. Diese bleiben konsequent in ihrer Rolle und so kommt die Message in den meisten Fällen an: Wohin führt die unbekümmerte Selbstverständlichkeit, dass es uns gut geht und wir nicht für den Notstand Anderer verantwortlich sind? Ist das noch demokratisch? Welchen Beitrag leistet jeder von uns für den Erhalt demokratischer Werte? Hierüber wird außerhalb des Goldenen Käfigs viel diskutiert und somit das Ziel der Studierenden, mit dem sie nach Weimar kamen erfüllt.

„Wir sind glücklich über die kreativen Ideen, die die Studierenden entwickelt haben, um unsere Arbeit zu unterstützen“, sagt Rica Braune von der Initiative des zivilgesellschaftlichen Stammtisches. Gemeinsam mit Beate, Felix, Bob u.v.a.m. hat sie sich der Betreuung der Studierenden in Weimar angenommen.

Diese fahren nach einer gemeinsamen Reflektion des Erlebten mit ihren Weimarer Partnern und einem Besuch des DNT und der Gedenkstätte Buchenwald heute mit einem guten Gefühl zurück nach Düsseldorf. Ihnen ist bewusst, dass sie in den Köpfen einiges an Gedanken über das wertvolle Gut der Demokratie bewegt haben. Einig sind sich alle: an das Erlebte soll angeknüpft und die Zusammenarbeit fortgeführt werden, um auch künftig gemeinsam etwas zu bewegen.​