Hochschule Düsseldorf
University of Applied Sciences
Fachbereich Sozial- & Kulturwissenschaften
Faculty of Social Sciences and Cultural Studies

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Sozial- und Kulturwissenschaften / Stadtforschung
13.07.2017

Verkehrskollaps

Die Schwarmstädte ersticken an ihrem eigenen Erfolg
Das Thema „Verkehr“ geht alle an, so dass sich sogar der Deutsche Gewerkschaftsbund und die Industrie- und Handelskammer Düsseldorf zusammentaten, um auf einem gemeinsamen Kongress neue Lösungen gegen Staus und Verspätungen auszuloten. Für die Keynote Speech hatten sie einen Stadtforscher der Hochschule Düsseldorf gebucht. Prof. Dr. Volker Eichener vom Fachbereich Sozial- und Kulturwissenschaften wies darauf hin, dass sich die Städtelandschaft in Deutschland polarisiert: Während strukturschwache Städte in Abwärtsspiralen hängen, verursacht das Wachstum von Bevölkerung und Arbeitsplätzen in den Zuzugsstädten, darunter auch der „Pendlerhauptstadt“ Düsseldorf, Probleme mit dem fließenden und ruhenden Verkehr, die in den nächsten Jahrzehnten weiter zunehmen werden, selbst wenn ÖPNV und Straßen weiter ausgebaut werden.

In der Elektromobilität sieht der Wissenschaftler keine Lösung, weil sie im Rahmen des Paradigmas „Individualverkehr“ verbleibt. Der öffentliche Personennahverkehr ist vielfach nicht konkurrenzfähig und ebenfalls an den Kapazitätsgrenzen. Prof. Eichener unterbreitete Alternativen, die viel radikaler sind:

Anhand von Simulationen und erfolgreichen Pilotprojekten demonstrierte der Stadtforscher, dass per App in Echtzeit angeforderte Sammeltaxis und Minibusse eine schnelle, komfortable, barrierearme, ökologische und wirtschaftliche Alternative zum eigenen Fahrzeug darstellen, die den Verkehr im Extremfall um 97 Prozent entlasten können. Fahrerlose Elektrobusse, die in den Niederlanden bereits im Testbetrieb unterwegs sind, können die Kosten weiter senken.

Zum Schluss des mit viel Beifall aufgenommenen Vortrags regte der Stadtforscher noch eine ganz andere Lösungsvariante an: Wenn Düsseldorf täglich 300.000 Einpendler zu verkraften hat, lohnt es sich darüber nachzudenken, die Pendelströme ganz überflüssig zu machen, beispielsweise indem Arbeitsplätze nach Duisburg, die wichtigste Quellstadt für den Pendelverkehr nach Düsseldorf, verlagert werden, wo zudem die Büromieten nur halb so hoch sind wie in der überhitzten Landeshauptstadt. Das würde allerdings voraussetzen, dass die Stadt Duisburg – wie auch andere Ruhrgebietsstädte – ihren Gewerbesteuerhebesatz senkt. Der ist aber in den letzten Jahren immer wieder angehoben worden und liegt jetzt bei 520 Prozent, während Düsseldorf den Satz auf aktuell 440 Prozent gesenkt hat.​

Prof. Dr. Volker Eichener: „Das System der Gemeindefinanzierung sorgt dafür, dass strukturschwache Städte in Abwärtsspiralen geraten, aus denen sie sich nicht selber befreien können. Die Schwarmstädte – allen voran Düsseldorf – freuen sich noch über ihre Bevölkerungs- und Arbeitsplatzgewinne; diese Freude wird ihnen aber im Halse stecken bleiben, wenn sie am Pendlerverkehr ersticken.“
Prof. Dr. Volker Eichener: „Das System der Gemeindefinanzierung sorgt dafür, dass strukturschwache Städte in Abwärtsspiralen geraten, aus denen sie sich nicht selber befreien können. Die Schwarmstädte – allen voran Düsseldorf – freuen sich noch über ihre Bevölkerungs- und Arbeitsplatzgewinne; diese Freude wird ihnen aber im Halse stecken bleiben, wenn sie am Pendlerverkehr ersticken.“