Hochschule Düsseldorf
University of Applied Sciences
Fachbereich Sozial- & Kulturwissenschaften
Faculty of Social Sciences and Cultural Studies

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Sozial- und Kulturwissenschaften / Sozialpolitik, Wissenschaft Sozialer Arbeit, Forschung
04.10.2016

Zukunft ‚guter Pflege'

​Drei neue Projekte zur Zukunft ‚guter Pflege‘ an der Hochschule Düsseldorf

Am Fachbereich Sozial- und Kulturwissenschaften der Hochschule Düsseldorf (HSD) wird die Zukunftsaufgabe ‚gute Pflege‘ in den kommenden Jahren als Schwerpunktthema ausgebaut: Drei neu eingeworbene Forschungsprojekte starten vom 1. September an sukzessive.

„Wie gute Sorge und Pflege für ältere Menschen gesellschaftlich organisiert und politisch gesteuert werden kann, ist eine wichtige Zukunftsfrage sowie ein zentrales Handlungsfeld für Sozialpolitik und Soziale Arbeit“, so Prof. Dr. Simone Leiber, Professorin für Sozialpolitik an der Hochschule Düsseldorf. Sie lehrt und forscht zu Fragen der Alterssicherungs-, Armuts- sowie Gesundheits- und Pflegepolitik in Deutschland und Europa.

Das Forschungsprojekt PflegeIntersek („Pflegende Angehörige als Adressat*innen einer vorbeugenden Pflegepolitik: Eine intersektionale Analyse“) hat Anfang September 2016 begonnen und weist einen besonderen Bezug zum Land NRW auf. Es stellt eine Adressat*innen-Gruppe ins Zentrum, die bisher nur selten aus einer Präventionsperspektive betrachtet wurde: pflegende Angehörige. Sie sind die tragende Säule der pflegerischen Versorgung in Deutschland und NRW und somit ist es wichtig, sie darin zu unterstützen, häusliche Pflegearrangements möglichst lange und unter möglichst guten Bedingungen aufrechtzuerhalten. Dabei geht es einerseits um die Sicherung einer qualitativ hochwertigen Versorgung der Pflegebedürftigen, andererseits jedoch auch um die Vermeidung gesundheitsgefährdender Belastungen und (Armuts-)Risiken der Pflegepersonen. Gemeinsam mit Kolleginnen der Technischen Hochschule Köln und der Justus-Liebig-Universität Gießen befragen Prof. Leiber und Daniela Brüker von der HSD pflegende Angehörige, wie sie Pflegesituationen bewältigen oder bewältigt haben. Dabei stehen insbesondere soziale Ungleichheiten entlang der Kategorien sozio-ökonomischer Status, Geschlecht, Ethnizität und Erwerbstätigkeit im Fokus. Gefördert wird das Projekt vom Forschungsinstitut für gesellschaftliche Weiterentwicklung (FGW) NRW.

Das Thema pflegerische Versorgung wird ab Dezember 2016 auch in internationaler Perspektive betrachtet. Dann startet in Kooperation mit der Universität Warschau das Projekt EuroAgency Care („Europäisierung der pflegerischen Versorgung: die Rolle von Vermittlungs- und Entsendeagenturen für migrantische Arbeitskräfte in Deutschland und Polen“). Im Zentrum des Projektes stehen Entsende- und Vermittlungsagenturen, die migrantische Betreuungskräfte im Rahmen so genannter Live-in-Pflegearrangements (häufig auch betitelt als „24-Stunden-Betreuung“) in private Haushalte vermitteln. Als Folge von Versorgungslücken des deutschen Pflegesystems findet diese Art der Versorgung in Deutschland zunehmend Verbreitung. Gleichzeitig gewinnen in Polen Betreuungskräfte aus Drittstaaten, wie etwa der Ukraine, für die pflegerische Versorgung an Bedeutung. Im Zuge der Liberalisierung des Personen- und Dienstleistungsverkehrs in der EU ist dabei ein wachsender Geschäftsbereich für Vermittlungs- und Entsendeagenturen entstanden. Das Projekt unter Leitung von Prof. Leiber und wissenschaftlicher Mitarbeit von Verena Rossow untersucht die unternehmerischen und politischen Strategien dieser Agenturen und ihrer Verbände. Es wird von der Deutsch-Polnischen Wissenschaftsstiftung (DPWS) gefördert.

Die dritte, von Prof. Dr. Christian Bleck und Prof. Leiber geleitete Untersuchung STAP („Selbstbestimmt teilhaben in Altenpflegeeinrichtungen“), wird in Kooperation mit dem Diözesan-Caritasverband für das Erzbistum Köln e.V. durchgeführt. Wissenschaftliche Mitarbeiter*innen seitens der HSD werden Ina Conen und Timm Frerk sein. Die Studie befasst sich mit dem Bereich der stationären Pflege. Das Projekt setzt den Akzent auf die Ermöglichung gesellschaftlicher Teilhabe von Bewohner*innen stationärer Altenhilfeeinrichtungen. „Teilhabe ist zwar ein viel genutztes Schlagwort, aber dessen alltagspraktische Bedeutung bleibt in der Altenhilfe immer noch diffus. So gilt es nicht nur Optionen für selbstbestimmte Aktivitäten in der Tagesstruktur, sondern auch mögliche Beziehungen zum Wohnumfeld stärker auszuloten“, sagt Christian Bleck, Professor für die Wissenschaft Soziale Arbeit an der HSD, der unter anderem zu Voraussetzungen und Ansätzen sozialraumorientierter Seniorenarbeit und Altenhilfe forscht. Auf der Basis von Interviews mit Fachkräften, Bewohner*innen und Angehörigen sowie einer Online-Befragung mit Heimleitungen wird in Zusammenarbeit mit dem HSD-Lehrbeauftragten und Teilhabe-Experten Dr. Harry Fuchs ein Musterrahmenkonzept für Einrichtungen der Altenpflege entwickelt. Förderer ist die Stiftung Wohlfahrtspflege NRW.

Die drei Projekte auf einen Blick:

1) Pflegende Angehörige als Adressat_innen einer vorbeugenden Pflegepolitik: Eine intersektionale Analyse (PflegeIntersek)
Projektlaufzeit: 9/2016-8/2018
Leitung an der HSD: Prof. Dr. Simone Leiber
Förderer: Forschungsinstitut für gesellschaftliche Weiterentwicklung (FGW) NRW
Kooperation: Technische Hochschule Köln, Justus-Liebig-Universität Gießen

2) „Europäisierung der pflegerischen Versorgung: die Rolle von Vermittlungs- und Entsendeagenturen für migrantische Arbeitskräfte in Deutschland und Polen“ (EuroAgencyCare)
Projektlaufzeit: 12/2016-11/2018
Leitung an der HSD: Prof. Dr. Simone Leiber
Förderer: Deutsch-polnische Wissenschaftsstiftung (DPWS)
Kooperation: Universität Warschau

3) Selbstbestimmt teilhaben in Altenpflegeeinreichungen (STAP)
Projektlaufzeit: vorauss. 1/2017-12/2019
Leitung an der HSD: Prof. Dr. Christian Bleck und Prof. Dr. Simone Leiber
Förderer: Stiftung Wohlfahrtspflege NRW
Kooperation: Diözesan-Caritasverband für das Erzbistum Köln e.V.; Dr. Harry Fuchs

Kontakt: simone.leiber@hs-duesseldorf.de; christian.bleck@hs-duesseldorf.de