Hochschule Düsseldorf
University of Applied Sciences
Fachbereich Sozial- & Kulturwissenschaften
Faculty of Social Sciences and Cultural Studies

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Sozial- und Kulturwissenschaften / Soziale Arbeit, Forschung, Praxis, Nachbericht
21.06.2016

Bericht Wissenschaft-Praxis-Dialog an der HSD

​​Im Promotionskolleg "Leben im transformierten Sozialstaat (TransSoz)" erforschen Promovend*innen, wie sich Veränderungen in der Sozialpolitik auf Adressat*innen von Sozialpolitik und  Sozialer Arbeit auswirken. Am 14. Juni 2016 stellten sie ihre Forschungsergebnisse im Rahmen eines Wissenschafts-Praxis-Dialogs am Campus Derendorf zur Diskussion. Im Fokus der Veranstaltung stand das Thema  "Sorge und Vorsorge in unterschiedlichen Lebensphasen".

Im ersten Teil der Veranstaltung wurde unter dem Titel "Pflegefall, was nun?" nach Ressourcen und Unterstützungsbedarfen von Angehörigen Pflegebedürftiger gefragt. Nach Einführungsvorträgen durch Timm Frerk, Daniela Brüker, Verena Rossow (jeweils HSD) und Andrea Konkel (Caritasverband Düsseldorf) ging es in der gemeinsamen Diskussion um die Vereinbarkeit von Pflege und Berufstätigkeit sowie um die Entstehung eines so genannten „grauen Marktes“ für migrantische Pflegekräfte aus Mittel- und Osteuropa. Pflegende Angehörige  sind häufig vor große Probleme gestellt, wenn sie Pflege und Beruf vereinbaren wollen. Eine vermeintliche Lösung für diese Herausforderung, insbesondere im Bereich der Ganztagsbetreuung, bieten  zunehmend agenturvermittelte Migrant*innen, was jedoch häufig mit Gesetzesverstößen einhergeht. Ein weitsichtigerer Ansatz, um Pflege- und Berufstätigkeit besser vereinbaren zu können, so das gemeinsame Plädoyer, stellt dagegen die Sensibilisierung von Unternehmen und Führungskräften für die Entwicklung einer "pflegesensiblen Unternehmenskultur" dar.​

Im zweiten Teil der Veranstaltung fand unter der Moderation von Ina Conen (HSD) ein Tischgespräch zur Informationssuche in der Altersvorsorgeberatung mit Expert*innen aus der Praxis statt. Unter dem Titel "Altersvorsorgehandeln im transnationalen Raum Deutschland und Türkei" diskutierte sie gemeinsam mit Ute Röschlau (AWO Schuldner- und Insolvenzberatung), Tuncay Sabanci (Rentenberater bei der Knappschaft-Bahn-See), Serpil Ertik und Nessimi Parlak (Student*innen TH Köln)  die Informationswege und Beratungsmöglichkeiten zur Altersvorsorge von türkeistämmigen Menschen im transnationalen Raum Deutschland-Türkei. Dabei wurde gemeinsam herausgearbeitet, dass die Frage nach der Altersvorsorge aufgrund verschiedener Barrieren bei der Informationssuche in erster Linie von der Einbindung in Gesichtsfeldkontakten des je sozialen Umfeldes abhängig ist. Institutionelle Beratung könne nur dann gelingen, so das Ergebnis der lebhaften Diskussionsrunde, wenn der Anschluss an die Informationsweitergabe durch "Vertrauensperson" aus dem sozialen Umfeld gelingt. Ist die Altersvorsorgeplanung eingebettet in eine transnationale Lebensführung, so erfordert dies für Institutionen der Sozialen Arbeit, wie dem Mehrgenerationenhaus, einen interdisziplinären Zugriff in der Gestaltung ihrer Angebote. Dazu bestehen vielfach erprobte Formate, wie Lisa Heite (Generationsnetzwerk Gelsenkirchen) zu berichten weiß.

Das Promotionskolleg nimmt die gegenwärtigen Transformationsprozesse von Sozialpolitik und Sozialer Arbeit in den Blick und führt so die sozialpolitische Wirkungsforschung mit sozialpädagogischen Adressat*innenforschung zusammen. In einem gemeinsamen Dialog können so Parallelen, Differenzen und jeweilige Leerstellen herausgearbeitet sowie Wirkungen im strukturellen Umbau des Wohlfahrtsstaates einerseits und Bewältigungsweisen und Handlungsstrategien von Adressat*innen andererseits erfasst werden.

Das Promotionskolleg ist eine Forschungskooperation der Hochschule Düsseldorf, der Technischen Hochschule Köln und der Universität Duisburg-Essen. Die Forschungskooperation der Hochschulen wird im Rahmen des Programms "NRW.Forschungskooperationen U&FH" von 2013 bis 2016 durch das Ministerium für Innovation, Wissenschaft und Forschung des Landes NRW gefördert. Zwölf Doktorand*innen und ein*e Post-Doktorand*in forschen in dem Verbundprojekt, das von neun Professor*innen begleitet wird.

Mehr Informationen finden Sie auch auf unserer Website: www.promotionskolleg-transsoz.de

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