Hochschule Düsseldorf
University of Applied Sciences
Fachbereich Sozial- & Kulturwissenschaften
Faculty of Social Sciences and Cultural Studies

​​​​Elterneinfluss auf das Gesundheitsverhalten von Jugendlichen


Hintergrund

Aktuelle Untersuchungen zur Gesundheitssituation von Kindern und Jugendlichen (z.B. KIGGS – Studie des Robert Koch Instituts, die HBSC-Studie oder die Elefanten Studie) belegen, dass verschiedene gesundheitliche Störungen bis hin zu chronischen Erkrankungen auf Mängel in diesen Bereichen zurückzuführen sind. Da das gesundheitsrelevante Verhalten von Kindern und Jugendlichen besonders durch die familiale Situation sowie das Elternverhalten mitbestimmt wird (Primärsozialisation), ist für gesundheitsfördernde Interventionsprogramme von Bedeutung, welche Zusammenhänge es zwischen dem Elternverhalten und dem Verhalten von Kindern und Jugendlichen in den relevanten Verhaltensbereichen (Bewegung, Ernährung, Stressregulation) gibt. Im Feld der Kindheitsforschung liegen hier vereinzelt Untersuchungsergebnisse vor, aber im Bereich der Jugendforschung ist diese Thematik weitgehend unerforscht.​


Projektziele

Mit der empirischen Untersuchung sollen Zusammenhänge zwischen dem Verhalten von Eltern (Mutter/Vater) und dem Gesundheitsverhalten von Jugendlichen in den Bereichen Bewegung/ Sportengagement, Ernährungsverhalten sowie Stressregulation aufgezeigt und analysiert werden.

Methodik​​​ und Durchführung 

Vor diesem Hintergrund wurde ein Fragebogen entwickelt, der sich an Jugendliche im Alter von 10 bis 18 Jahren richtet. Neben den soziodemografischen Fragen wurden Dimensionen des eigenen Bewegungs-/Sportverhaltens, des Erlebens und Umgangs mit Stress und des Ernährungs- und Gesundheitsverhaltens (z.B. Rauchen, Alkoholkonsum) der Jugendlichen befragt. Zu den gleichen​ Themen wurde die Einschätzung der Jugendlichen zum Verhalten der Eltern (Vater/Mutter) abgefragt, z.B. wie viel Sport die Eltern treiben, ob ihren Eltern gesunde und ausgewogene Ernährung wichtig ist und wie ihre Eltern mit Stress umgehen. Weiterhin wurde die elterliche Unterstützung in diesen Verhaltensbereichen für die Jugendlichen abgefragt, z.B. ob die Eltern sportliche Aktivitäten der Jugendlichen finanziell unterstützen oder ob sie bei Schwierigkeiten in der Schule helfend den Jugendlichen beistehen. Zudem sollten die Jugendlichen das Erziehungsverhalten (Mutter/Vater) anhand von verschieden Items des Züricher Kurzfragebogens (ZKE) bewerten. Die Antworten aus dem ZKE sollten dazu dienen, den Erziehungsstil der Eltern (aus der Sicht der Jugendlichen) ableiten und in Beziehung zum Gesundheitsverhalten der Jugendlichen setzen zu können.


Verlauf des Forschungsprojektes

Der standardisierte Fragebogen, der unter Beteiligung von Experten entwickelt wurde, konnte nach einer Testphase (Juni 2013) an 12 Schulen aus dem Netzwerk von GUT DRAUF — Schulen in der Zeit von Juli bis November 2013 eingesetzt werden. Befragt wurden insgesamt 1522 Schülerinnen und Schüler im Alter von 11 bis 18 Jahren in unterschiedlichen Schultypen in Bremen, Mecklenburg–Vorpommern, Nordrhein-Westfalen, Sachsen-Anhalt und Thüringen. Damit stammen 58 % der befragten SchülerInnen aus Westdeutschland, 42 % aus ostdeutschen Schulen. 49 % der befragten Jugendlichen sind Mädchen und 51 % Jugendliche, 25 % der befragten Jugendlichen hatten einen Migrationshintergrund.

Projektergebn​​isse

Zahlreiche Ergebnisse der Untersuchung bestätigen den Einfluss der familialen Situation und des Elternverhaltens auf Dimensionen des Gesundheitsverhaltens der Jugendlichen in den Bereichen Sport, Ernährung und Stressregulation. Beispielsweise haben Eltern, die selbst regelmäßig Sport treiben, häufig Jugendliche, die ebenfalls regelmäßig in der Woche Sport treiben. Auch Eltern, die selbst Mitglied in einem Sportverein sind, haben Jugendliche die häufiger Mitglied im Sportverein sind. Auch die finanzielle Unterstützung der Eltern spielt eine große Rolle bei der Mitgliedschaft der Jugendlichen im Sportverein. Manche Ergebnisse können aber Annahmen, die in repräsentativen Untersuchungen gefunden wurden, nicht bestätigen. So konnte ein vermindertes Sportengagement der Jugendlichen mit zunehmenden Alter nicht festgestellt werden. Die Auswertung der umfangreichen Daten für alle Themenfelder wird Ende März 2014 abgeschlossen sein. Erwartet werden können differenzierte Aussagen zum Bewegungsverhalten/Sportengagement, dem Ernährungsverhalten und der Stressregulation von Jugendlichen der befragten Stichprobe, sowie das jeweilige thematische Elternverhalten – aus der Sicht der Jugendlichen. Trotz der großen Stichprobe wird nicht der Anspruch auf Repräsentativität erhoben, da die Jugendlichen aus Schulen des GUT-DRAUF-Netzwerkes stammen und nicht nach Kriterien einer repräsentativen Studie ausgewählt wurden (obwohl zahlreiche soziodemografische Merkmale mit Kennzahlen der Deutschen Jugendforschung übereinstimmen). Besonders relevant für die zentrale Fragestellung sind die durch Kreuztabellen getesteten Zusammenhänge zwischen dem Verhalten der Eltern und dem Verhalten der Jugendlichen in den ausgewiesenen Handlungsfeldern, die eine Wirksamkeit statistisch nahe legen. Ergänzende qualitative Studien wären notwendig, um die statistischen Hypothesen qualitativ dahingehend zu ergänzen, wie diese Wirksamkeit hergestellt (erlernt) wird.

​Projektteam

Prof. Dr. Harald Michels

Laufzeit

2013 - 2014

Kooperationspartner

  • Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA)
  • Sozialwissenschaftliches Forschungszentrum Berlin-Brandenburg e.V. (SFZ)​

Publikationen

Zusammenfassung der Forschungsergebnisse