Hochschule Düsseldorf
University of Applied Sciences
Fachbereich Sozial- & Kulturwissenschaften
Faculty of Social Sciences and Cultural Studies


Ab 01.01.2017 ist die Beiordnung von Psychosozialen Prozessbegleiter*innen auf Antrag der oder des Verletzten bei Strafverfahren Pflicht. Die Beiordnung ist für die oder den Verletzte/n kostenfrei.

Dafür ist ein Abschluss einer vom Land anerkannten Aus- oder Weiterbildung zum oder zur Psychosozialen Prozessbegleiter*in erforderlich.

Durch das 3. Opferrechtsreformgesetz vom 21.12.2015 ist die Psychosoziale Prozessbegleitung mit umfänglicher eigenständiger Regelung gem. § 406g StPO in die Strafprozessordnung aufgenommen worden. Gleichzeitig regelt ein eigenes Gesetz "Gesetz über die psychosoziale Prozessbegleitung im Strafverfahren (PsychPbG)"      

  • die Grundsätze der Psychosozialen Prozessbegleitung,      

  • die Anforderungen an die Qualifikationen der Psychosozialen Prozessbegleiterin/des Psychosozialen Prozessbegleiters und      

  • die Vergütung.

Der genaue Gesetzestext und der Gesetzgebungsverlauf ist abrufbar unter

http://dipbt.bundestag.de/extrakt/ba/WP18/651/65145.html

https://www.justiz.nrw/BS/opferschutz/psychosoz_prozessbegl/index.php



Pflichtbeiordnungen

Das Gericht muss auf Antrag des oder der Verletzten gem. § 406g Abs. 3 S. 1 i.V.m. § 397a Abs. 1 Nr. 4 und 5 StPO einen oder eine Psychosoziale Prozessbegleiter*in beiordnen, wenn       

  • eine rechtswidrige Tat gem. §§ 174 bis 182, 184i, 184j, 225, 221, 226, 226a, 232 bis 235, 237, 238 Abs. 2 und 3, 239a, 239b, 240 Abs. 4, 249, 250, 252, 255 oder 316a StGB vorliegt UND

  • der oder die Verletzte 

    • unter 18 Jahre alt ist oder

    • seine oder ihre Interessen selbst nicht ausreichend wahrnehmen kann.  


Weitere Beiordnungsmöglichkeiten

Das Gericht kann auf Antrag des oder der Verletzten gem. § 406g Abs. 3 S. 1 i.V.m. § 397a Abs. 1 Nr. 1 bis 3 StPO einen oder eine Psychosoziale Prozessbegleiter*in beiordnen, wenn

  • die besondere Schutzbedürftigkeit der oder desVerletzten dies erfordert UND

  • der oder die Verletzte von einer Straftat betroffen ist, im Sinne eines/r/also 

    • Verbrechens nach den §§ 177, 179 (a.F.), 232 bis 232b und 233a StGB oder

    • eine Straftat nach 184j StGB und der Begehung dieser Straftat ein Verbrechen nach § 177 StGB zugrundelegt
    • versuchten rechtswidrigen Tat nach §§ 211 und 212 StGB oder

    • Lebenspartner*in, Ehepartner*in, Eltern, Kinder oder Geschwister eines durch die rechtswidrige Tat Getöteten oder

    • Verbrechens nach den §§ 226, 226a, 234 bis 235, 238 bis 239b, 249, 250, 252, 255, 316a StGB, das bei ihm oder ihr zu schweren körperlichen oder seelischen Schäden geführt hat oder voraussichtlich führen wird.



Weiterbildungszertifikat „Psychosoziale Prozessbegleitung“



Warum ein Weiterbildungszertifikat

„Psychosoziale Prozessbegleitung“?


Verletzte von Straftaten haben ein Anrecht darauf, durch das Strafverfahren nicht erneut zum Opfer zu werden. Um das Strafverfahren mit seinen für Laien schwer verständlichen Abläufen erträglich zu gestalten, gibt  es die Psychosoziale Prozessbegleitung. Diese steht dem Verletz­ten während des gesamten Verfahrens zur Seite und übernimmt eine Dolmetscherfunktion.

Ziel der Psychosozialen Prozessbegleitung ist es, das Strafverfahren mit seinen Erfordernissen und Abläufen nicht zur zusätzlichen Belastung für den verletzten Menschen werden zu lassen. Ab dem 01.01.2017 ist nach dem neu in die Strafprozessordnung eingefügten § 406g eine Pflichtbeiordnung der psychosozialen Prozessbegleitung bei gleichzeitiger Übernahme der Kosten durch die Staatskasse vorgeschrieben.

Bisher gab es eine Pflichtbeiordnung der Psychosozialen Prozessbegleitung und gleichzeitige Übernahme der Kosten durch die Staatskasse im Gesetz nicht. Durch das neue Gesetz wird sich die Lage spezieller Opfergruppen, insbesondere von Kindern und Jugendlichen, verbessern. Das dritte Opferrechtsreformgesetz (BT-Drs. 18/4621) sieht vor, dass Menschen, die als Psychosoziale Prozessbegleiter*innen beigeordnet werden, eine besondere Qualifikation besitzen, die in der Regel mit einem Weiterbildungszertifikat nachgewiesen werden muss. Die Arbeitsgruppe der Justizminister*innenkonferenz hat sowohl für die Psychosoziale Prozessbegleitung als auch für die Erteilung des Weiter­bildungszertifikats Mindeststandards vorgegeben. Anhand der Hochrechnung von Zahlen der Polizeilichen Kriminalstatistik ist damit zu rechnen, dass ein sehr hoher Bedarf an zertifizierten Prozessbegleiter*innen bestehen wird.



Weiterbildendes Zertifikatsstudium

„Psychosoziale Prozessbegleitung“

an der Hochschule Düsseldorf


Die Teilnehmer*innen an der Weiterbildung werden nach § 62 Abs. 2 HG NRW als Gasthörer*innen eingeschrieben. Die Teilnehmer*innen erhalten gem. § 62 Abs. 4 HG NRW Weiterbildungszertifikate.

Die Voraussetzungen für die Teilnahme an dem Weiterbildenden Studium und den Erhalt des Zertifikats sind in der Prüfungsordnung für das weiterbildende Zertifikatsstudium „Psychosoziale Prozessbegleitung“ an der Hochschule Düsseldorf geregelt.  

Das Weiterbildende Zertifikatsstudium erstreckt sich über zwölf Monate. Es besteht aus zwanzig Präsenztagen, Selbststudium und paralleler Bearbeitung von Online-Fällen. Der Gesamtumfang beträgt 416 Stunden. Das Angebot entspricht den Mindeststandards für Weiterbildungen – nach den Vorgaben des Berichtes der Arbeitsgruppe des Strafrechtsausschusses „Psychosoziale Prozessbegleitung“, eingerichtet aufgrund des Beschlusses der 83. Konferenz der Justizminister*innen im Juni 2012 – zur „Psychosozialen Prozessbegleitung“ mit Berechtigung ein Weiterbildungszertifikat zu erteilen. Dieses Zertifikat ist in der Regel Voraussetzung für die Beiordnung durch das Gericht.



Zugangsvoraussetzungen

Qualifizierter Abschluss in einem Studiengang (FH/Universität)

  • Sozialpädagogik
  • Soziale Arbeit
  • Pädagogik
  • Psychologie

oder abgeschlossene Berufsausbildung in diesen Bereichen mit fachspezifischer, wissenschaftlich anerkannter Zusatzausbildung

          UND dreijährige Berufserfahrung.


Module und Inhalte


Modul 1 – Recht


In dem Modul werden die relevanten strafrechtlichen Abläufe sowie für Verletzte sonstigen relevanten rechtlichen Regelungen dargestellt. Insbesondere werden die Grundlagen für die für das Zertifikat erforderlichen zwei Prozessdokumentationen vermittelt.

Hauptreferent:

  • Prof. Dr. Klaus Riekenbrauk (emer.) – Strafverteidiger.

Gastreferentinnen:

  • Astrid Raimann – Rechtsanwältin, insbesondere Nebenklagevertretungen für Verletzte, Fachanwältin für Familien- und Strafrecht.

  • Beate Daber – Fachpsychologin für Forensische Aussagepsychologie.

  • Richter*in „angefragt"


Modul 2 – Viktimologie


In dem Modul werden die wesentlichen Erkenntnisse der Opferforschung vermittelt. Welche Opferbedürfnisse und Bewältigungsstrategien gibt es? Wie können sekundäre Viktimisierungen (erneute Opferwerdungen) durch das Strafverfahren vermieden werden?

Hauptreferentin:

  • Prof. Dr. Gaby Temme – Juristin & Diplom-Kriminologin, Hochschule Düsseldorf.

Gastreferent*innen:

  • Reinhild Beermann – Dipl. Sozialarbeiterin, Psychosoziale Prozessbegleiterin (RWH), Vorstand Bundesverband Psychosoziale Prozessbegleitung, Zornröschen – Fachberatungsstelle gegen sexuellen Missbrauch an Mädchen und Jungen

  • Prof. Dr. Irene Dittrich – Studiengangsleiterin Pädagogik der Kindheit und Familienbildung,
    Hochschule Düsseldorf.

  • EKHK a. D. Jürgen Neerhut – langjähriger Ermittler bei Tötungsdelikten.

  • Prof. Dr. Rita Bley – Kriminalwissenschaften, Fachbereich Polizei, Fachhochschule für öffentliche Verwaltung, Polizei und Rechtspflege des Landes Mecklenburg - Vorpommern.

  • Staatsanwalt*wältin „angefragt"


Modul 3 – Forensische Psychologie & Psychotraumatologie


Das Modul setzt sich aus psychologischer und medizinischer Sicht mit den zentralen Fragen auseinander, welche Herausforderungen Opferwerdung und Traumatisierung durch Straftaten für die Verletzten darstellen. Ein zentraler Aspekt wird die Klärung der Problematik der Aussagekraft von Zeug*innenaussagen sein. Ein Aspekt davon ist die Gefahr, inwieweit psychologisch sinnvolle Stabilisierungstechniken für den/die Verletzte im Strafverfahren dazu führen können, dass die Aussage des/der Verletzten als Zeug*in unzulässig verzerrt wird.

Hauptreferent*innen:

  • Prof. Dr. Denis Köhler – Psychologe, Hochschule Düsseldorf.

  • Ulrike Schultheis – Fachärztin für Psychosomatik und Psychotherapie, Leitende Oberärztin LVR Klinikum Essen, EMDR-Therapeutin.


Modul 4 – Theorie & Praxis der Psychosozialen Prozessbegleitung


In dem Modul werden die relevanten Aspekte der Umsetzung der Psychosozialen Prozessbegleitung in der
Praxis verdeutlicht. Insbesondere wird es darum gehen, die Frage der eigenen Haltung zu klären und klare Abgrenzungen zur Opferberatung vorzunehmen.

Hauptreferentinnen:

  • Andrea Behrmann – Psychosoziale Prozessbegleiterin (RWH), 1. Vorsitzende des Bundesverbandes Psychosoziale Prozessbegleitung, Violetta – Fachberatungsstelle für sexuell missbrauchte Mädchen und junge Frauen.

  • Dr. Iris Stahlke – Dipl.-Psychologin, Psychosoziale Prozessbegleiterin (RWH), 2. Vorsitzende des Bundesverbandes Psychosoziale Prozessbegleitung.

  • Friesa Fastie – Dipl. Sozialpädagogin/Sozialarbeiterin, Leiterin des Mödchen-Wohnprojektes Potse, Berlin. 2006 - 2013 Institutsleiterin bei RECHT WÜRDE HELFEN.


Modul 5 – Abschluss- und Prüfungsmodul


Das Abschluss- und Prüfungsmodul besteht aus zwei Prozessdokumentationen und einer Abschlussarbeit.​


Voraussetzungen für den Erwerb des Zertifikats


Für die Verleihung des Zertifikates sind der Abschluss der einzelnen Module, zwei Prozessdokumentationen und eine bestandene Hausarbeit erforderlich.

Weitere Voraussetzung für den erfolgreichen Abschluss der Module ist die aktive online-Fallbearbeitung. Nähere Informationen werden am ersten Präsenztag gegeben.

Die Online-Fallbearbeitung findet anhand kleiner Praxisfälle über die gesamte Zeit des Weiterbildenden Studiums (mit einer Urlaubsunterbrechung) statt. Die Prozessdokumentationen müssen anhand eines Leitfadens erstellt und schriftlich abgegeben werden. Es erfolgt jeweils eine dezidierte Nachbesprechung.

In der Blockwoche im September 2018 werden freiwillige Abendtermine angeboten für Teilnehmer*innen, die ihre Kenntnisse für das Schreiben einer wissenschaftlichen Hausarbeit reaktivieren möchten.

Das Thema der Hausarbeit wird am Ende der Septemberblockwoche 2018 bekannt gegeben.

Prüfungsordnung PSPB.pdf


Module und Präsenztage

  • Modul 1 – Recht
  • Modul 2 – Viktimologie
  • Modul 3 – Forensische Psychologie & Psychotraumatologie
  • Modul 4 – Theorie & Praxis der Psychosozialen Prozessbegleitung
  • Modul 5 – Abschluss & Prüfung

​Präsenztage*​ ​ ​

​​Uhrzeit

​Modul

​Referent*innen

​​1KW 10​​Samstag​10.03.201810:00 – 18:00​
​1
2
  Prof. Dr. Klaus Riekenbrauk &
  Prof. Dr. Gaby Temme​
2

​​KW 15
Freitag13.04.201811:00 – 19:00​
2  Prof. Dr. Gaby Temme
​3Samstag​​14.04.201809:00 – 17:00​​​1
  Prof. Dr. Klaus Riekenbrauk
​4
​​KW 22
​Freitag​01.06.201811:00 – 19:30​​​​2  Prof. Dr. Gaby Temme​
​5​Samstag02.06.2018​09:00 – 17:00​​​​1  Prof. Dr. Klaus Riekenbrauk
​6
​​KW 27
​Freitag​06.07.2018​11:00 – 19:00​​​​3  Ulrike Schultheis
​7​Samstag​07.07.201809:00 – 17:00​​​​3  Prof. Dr. Denis Köhler
​8

​​
​KW 36
(Block-
woche)
Montag​​03.09.201​8
11:00 – 19:00​
4
  Andrea Behrmann &
  Dr. Iris Stahlke
9
Dienstag
 04.09.2018
  09:00 – 17:00
10
Mittwoch
05.09.2018
09:00 – 17:00
1
  Prof. Dr. Klaus Riekenbrauk
11
Donnerstag
06.09.2018
09:00 – 17:00

4

 
  Frisa Fastie
12
Freitag
07.09.2018
09:00 – 17:00
​13
KW 41​
Freitag​​12.10.201811:00 – 19:00​​​​​1  Prof. Dr. Klaus Riekenbrauk​
14
Samstag13.10.2018​​09:00 – 17:00​​​​2  Prof. Dr. Gaby Temme

​15


​​KW 46

​Freitag

16.11.2018​​

11:00 – 19:00​​​
​1
2
4
  Prof. Dr. Klaus Riekenbrauk &
  ​Prof. Dr. Gaby Temme &
  Andrea Behrmann
16​Samstag​17.11.201809:00 – 17:00​​​​4  Andrea Behrmann
​17
​​KW 02
​Freitag​11.01.201911:00 – 19:00​​​​​2  Prof. Dr. Gaby Temme
​18​Samstag​12.01.2019​09:00 – 17:00​​​​4  Andrea Behrmann
​19

KW 07
​  ​​
​Freitag​15.02.201911:00 – 19:00​​​​​4  ​Andrea Behrmann

​20​  ​

Samstag
​ ​

16.02.2019​ ​

09:00 – 17:00​​​
​ ​
1
​2
4​
  Prof. Dr. Klaus Riekenbrauk &
  Prof. Dr. Gaby Temme​​ &
​  Andrea Behrmann

Pausenzeiten:30 Minuten nach 1,5 Stunden, Mittagspause: 60 Minuten

* Bei kurzfristigen krankheitsbedingten Ausfällen von Referenten*innen können Wechel der Module untereinander erfolgen, um Terminsicherheit zu gewährleisten.

Innerhalb der Blockwoche finden zwei freiwillige Abendtermine für Interessierte zur Reaktivierung des wissenschaftlichen Schreibens für die Hausarbeit statt.

PSPB Präsenztage zum Ausdrucken.pdf


Beginn

Der zweite Durchlauf des Zertifikatsstudiums "Psychosoziale Prozessbegleitung" beginnt am 01.03.2018

Die Informationsveranstaltung für interessierte Bewerber*innen findet an der Hochschule Düsseldorf in Gebäude 2, Raum 02.3.001 am 30.06.2017 von 15:00 bis 17:00 Uhr statt. Bitte melden Sie sich per Mail für die Informationsveranstaltung an. Damit erleichtern Sie uns die Planung.


Erforderliche Bewerbungsunterlagen

  • Bestätigung des qualifizierten Abschlusses (s.o.)
  • Nachweis der besonderen persönlichen Eignung durch einen ausführlichen tabellarischen Lebenslauf und ein Motivationsschreiben (ca. 700 Wörter).

Die Bewerbungsfrist endet am 30.09.2017.


DieTeilnehmer*innenzahl

beträgt 25 Personen.


Kosten 

Die Kosten betragen 2.900 Euro pro Teilnehmer*in. Ratenzahlung ist möglich. Über die Möglichkeiten für die Ratenzahlungen informiert Sie Frau Yasemin Ismail.

Bildungsschecks und Bildungsgutscheine können wir leider nicht akzeptieren.


Erstkontakt

Yasemin Ismail
Tel: 0211 – 4351 3440 
Fax: 0211 – 435112620
weiterbildung.sk@hs-duesseldorf.de
http://soz-kult.hs-duesseldorf.de/weiterbildung

Persönlich erreichen Sie uns
dienstags von 11:00 – 12:30 Uhr.

Wir machen Urlaub vom 01.08.2017 bis zum 30.08.2017.
In dieser Zeit findet keine persönliche Beratung statt.