Hochschule Düsseldorf
University of Applied Sciences
Fachbereich Sozial- & Kulturwissenschaften
Faculty of Social Sciences and Cultural Studies

Dipl.-Soz. Arb. Stefanie Richard

FB SK > Personen > Stefanie Richard > Forschungsprojekt KIDS

​​​​​​​​​​​​Forschungsprojekt "Konzentration in der Schule (KIDS)" - Laufzeit 2009-2012

Entwicklung und Evaluation einer Fortbildungsmaßnahme für pädagogische Mitarbeiter offener Ganztagsschulen zur Förderung eines konzentrierten Arbeitsverhaltens in der Hausaufgabensituation

Aufmerksamkeitsbeeinträchtigungen und klinisch relevanten Aufmerksamkeitsstörungen sind unter Grundschulkindern weit verbreitet (Lauth & Knoop, 1998; Polanczyk et al., 2007) und beeinträchtigen insbesondere das eigenständige Erledigen von Hausaufgaben (Krowatschek, 2003). 

Ca. 20% aller Grundschulkinder in Nordrhein-Westfalen und ca. 40% im Bundesdurchschnitt erledigen ihre Hausaufgaben in der Gruppensituation einer offenen Ganztagsschule (OGS; Holtappels et al., 2007). Bei einer groß angelegten Befragung gesunder Kinder gab die Mehrheit aller Kinder an, sich durch die Anwesenheit der anderen Kinder von der Bearbeitung der Hausaufgaben abgelenkt zu fühlen (Beher et al., 2007), so dass die Hausaufgabensituation im Gruppenkontext einer OGS für aufmerksamkeitsbeeinträchtigte Kinder eine ganz besondere Herausforderung darstellen sollte. Bisher fehlt in der Aus- und Fortbildung des in den OGS tätigen pädagogischen Personals zumeist eine ausführliche Wissensvermittlung zur Identifikation von Aufmerksamkeitsstörungen bzw. zum Umgang mit aufmerksamkeitsbeeinträchtigten Kindern.

Ziel des Forschungsvorhabens 

Im Rahmen unseres vom Bundeministerium für Bildung und Forschung geförderten Kooperationsprojekts zwischen der Fachhochschule Düsseldorf (Prof. Dr. Charlotte Hanisch) und der Uniklinik Köln (Prof. Dr. Manfred Döpfner) wird eine Qualifizierungsmaßnahme für OGS Mitarbeiter/innen entwickelt und evaluiert. Ziel ist hierbei zum einen, die Hausaufgabensituation und das Arbeitsverhalten aller Kinder insgesamt zu verbessern (KIDS Fortbildung). Zum anderen werden Grundschulkinder mit Aufmerksamkeitsproblemen anhand eines Screeningverfahrens identifiziert. In wöchentlich stattfindenden Trainingsgruppen werden mit diesen Kindern Strategien zur Steigerung der Aufmerksamkeit und zur Verbesserung der Arbeitsorganisation erarbeitet (KIDS Training). 

Inhalte 

Die KIDS Fortbildung Schulung richtet sich an alle pädagogischen Mitarbeiter/innen, die an der Hausaufgabenbetreuung beteiligt sind, und umfasst zwei Vormittage. Ziel ist, die Hausaufgabensituation so zu gestalten, dass alle Kinder konzentrierter und eigenständiger arbeiten. Hier werden neben der Wissensvermittlung zu Faktoren, die Aufmerksamkeit beeinflussen und zu Ursachen von Aufmerksamkeitsbeeinträchtigungen Strategien der Verhaltensmodifikation angesprochen. Diese umfassen neben Methoden zur Verbesserung der Beziehung zwischen pädagogischen Mitarbeiter/innen und Kindern Strategien zum Aufbau von Zielverhaltensweisen. 

Die Schulung für das KIDS Training Hausaufgabentraining richtet sich an einzelne Fachkräfte der OGS und findet über 8 Wochen wöchentlich statt. Ziel der Schulungen ist es, die pädagogischen Mitarbeiter/innen darin zu unterstützen, anhand eines Trainingsmanuals einmal wöchentlich eine Hausaufgabentrainingsgruppe mit ca. 6 Kindern anzubieten. Die Kinder lernen hier sich vor den Hausaufgaben zunächst zu entspannen, bei der Auswahl und Bearbeitung einzelner Aufgaben planvoll vorzugehen und sich über längere Zeit auf die Arbeit zu konzentrieren. Hierzu werden Strategien der Selbstinstruktion und Selbstbeobachtung und der Verstärkung von Zielverhaltensweisen genutzt. 

Überprüfung der Trainingseffekte 

Eine Überprüfung der Trainingseffekte erfolgte in zwei Schritten über ein längsschnittlich angelegtes Wartekontrollgruppendesign: Zunächst wurde erhoben, inwieweit sich Aufmerksamkeitsleistungen bzw. Arbeitsverhalten der Gesamtgruppe durch KIDS Fortbildung verändert. Im nächsten Schritt wurde überprüft, ob Kinder mit Aufmerksamkeitsbeeinträchtigungen durch die individuelle zusätzliche Förderung ihre Leistungen an die Leistungen der Gesamtgruppe angleichen können.

An 10 Grundschulen in NRW wurden durch eine schulweise Randomisierung n= 476 Zweit-bis Viertklässler der Nachmittagsbetreuung der Interventionsgruppe (IG) und n= 360 der Wartekontrollgruppe (WKG) zugeordnet. Die indizierte Stichprobe (Werte oberhalb Prozentrangwert 80 auf dem Screeninginstrument) der IG bestand aus n= 124, von denen n= 74 die Einschlusskriterien (Einverständnis der Eltern zur Teilnahme an KIDS Training, IQ > 80) erfüllten. In der WKG erfüllten von n= 74 möglichen indizierten Kindern n= 42 die Einschlussbedingungen.

Die Zwischenauswertung der ersten beiden Projektjahre über zunächst 73 indizierte Kinder beider Gruppen zeigte, dass KIDS Fortbildung kindliches Problemverhalten, wie Unaufmerksamkeit während der Lernzeit, deutlich reduzierte. Bei Betrachtung der spezifischen Skala Durchführungsprobleme bei den Hausaufgaben, ergab sich eine moderate Effektstärke der Fortbildung. Das KIDS Training konnte allerdings nicht weiter zur Verbesserung des Problemverhaltens in der Lernzeit beitragen. Das Training wurde daraufhin zur Stärkung der Alltagsnähe deutlich modifiziert.

Die Gesamtauswertung über alle drei Erhebungswellen kommt zu weniger guten Ergebnissen als die Zwischenauswertung der beiden ersten Projektjahre. Die Ergebnisse zeigen zwar ebenfalls positive Effekte auf das Verhalten der SchülerInnen, sind aber auf den verschiedenen Messinstrumenten weniger einheitlich. Es zeigt sich auch hier, dass sich die wenigen positiven Effekte, auch für die Gesamtstichprobe, größtenteils auf KIDS Fortbildung zurückführen lassen. Ergebnisse aus der Wartekontrollgruppe legen nahe, dass hier Entwicklungs- und Interventionseffekte zusammenfallen. KIDS Training führt nicht, wie ursprünglich erwartet, zu einer weiteren Leistungsverbesserung der indizierten Kinder.

Diskussion

Die hier berichteten Ergebnisse weisen auf eine mögliche Wirksamkeit der Fortbildung des pädagogischen Personals hin. Dies entspricht den Vorbefunden zur Wirksamkeit von verhaltensorientierter Präventionsmaßnahmen und Lehrpersonen Fortbildungen zum Umgang mit Problemverhalten (Eyberg et al.2008; Frölich et al. 2012).

Kognitiv-behaviorale, kind-zentrierte Interventionen, wie das KIDS Training werden in Meta-Analysen zu Schulinterventionen bei Aufmerksamkeitsstörungen als wirksam beschrieben, allerdings mit geringeren Effektstärken als Methoden des Kontingenzmanagements (DuPaul & Stoner, 2003). Insgesamt ergibt sich in dieser Studie ein sehr uneinheitliches Bild auf den verschiedenen abhängigen Variablen, die Effektstärken der Gesamtinterventionen (Fortbildung und Training) sind geringer als angenommen, und das zeitintensive Kindertraining blieb deutlich hinter den Erwartungen zurück.

Als ein Grund für eine geringe Wirksamkeit kognitiv-behavioraler Interventionen wird die Schwierigkeit angeführt, die erlernten Strategien im Alltag eigenständig umzusetzen (Abikoff 1991). Über die Einbindung der betreuenden Pädagoginnen und Pädagogen in das KIDS Training und über Selbstbeobachtungsaufgaben der Kinder wurde versucht, dieser Schwierigkeit zu begegnen. Möglicherweise waren diese Maßnahmen nicht ausreichend, oder die Intervention war insgesamt zu kurz. Darüber hinaus können Aspekte des Forschungsdesigns, der Messinstrumente und der Rahmenbedingungen der Ganztagsgrundschule
die Ergebnisse beeinflusst haben.


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​​Kontakt 

Bei Interesse an weiterführenden Informationen können sich gern mit dem KIDS Projekt in Verbindung setzen, um nähere Informationen zu erhalten:

Stefanie Richard
Merowingerplatz 1a
40225 Düsseldorf

Tel. 0211/4351- 9612

stefanie.richard@hs-duesseldorf.de


Neue Telefonnummer ab 31.10.2014:
T +49 (0)211 / 4351 3359

Projektleitung:

Prof. Dr. Charlotte Hanisch 


Wissenschaftliche Mitarbeiterinnen:

Dr. Ilka Eichelberger (Dipl.-Päd.)
Stefanie Richard (Dipl.-Soz. Arb.)


Ehemalige studentische Mitarbeiterinnen:

Lisa Freund
Anne Ritschel